Hohen Neuendorf | Argentinien | Dienstag - 28.10.2025 - 12:41 - GOOGLE MAPS
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Buenos Aires & eine bewegenden Reise geht zu Ende 😢Nach sieben Monaten auf Reisen erreichen wir unser letztes Ziel: Buenos Aires.
Ein Ort, von dem man schon so viel gehört hat – und doch überrascht er uns in jeder Hinsicht.Von Bariloche fliegen wir in knapp zweieinhalb Stunden in die argentinische Hauptstadt und landen am Stadtflughafen Jorge Newbery, direkt am Río de la Plata. Schon beim Landeanflug erkennen wir das legendäre Estadio River Plate, das größte Stadion Südamerikas mit Platz für über 84.000 Fans. Dieser Anblick ist ein Vorgeschmack auf das, was uns hier erwartet: Leidenschaft, Stolz und die unbeschreibliche Liebe der Argentinier zum Fußball. Hier ist Fußball nicht nur ein Spiel – es ist Religion, Zuflucht und Lebenselixier zugleich.
Mit einem Uber geht es zu unserem Hotel im Stadtzentrum, im dritten Stock eines alten Geschäftsgebäudes – laut, lebendig, mitten im Herzen der Stadt. Wir haben uns lange überlegt, wie viel Zeit wir für Buenos Aires einplanen sollen. Am Ende wurden es sechs Tage – rückblickend hätten es locker vierzehn sein dürfen. Denn diese Stadt hat eine Energie, die einen sofort in ihren Bann zieht.
Buenos Aires – das ist Luft und Liebe, Geschichte und Gegenwart, Schönheit und Melancholie. Wir laufen täglich gefühlt einen Halbmarathon, um das Leben hier zu spüren – das Chaos, die Kreativität, die Widersprüche, die Leidenschaft.
Unsere Entdeckungen in Buenos Aires
1. Puerto Madero
Der ehemalige Hafen ist heute eines der modernsten und reichsten Viertel der Stadt – mit schicken Restaurants, Glasfassaden und der eleganten Puente de la Mujer, die ein tanzendes Tangopaar symbolisieren soll. Wir genießen den Kontrast zu den älteren Stadtteilen. Ein Spaziergang entlang der Docks lohnt sich besonders am Abend, wenn die Skyline sich im Wasser spiegelt. Beim nächsten Mal steht das Naturschutzgebiet Reserva Ecológica ganz oben auf unserer Liste.
2. San Telmo
San Telmo ist das älteste Viertel der Stadt und fühlt sich an, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Kolonialbauten, Kopfsteinpflaster, kleine Cafés und viel Musik auf den Straßen – wir verlieben uns sofort. Besonders am Sonntag, wenn die Feria de San Telmo stattfindet, verwandelt sich alles in ein buntes Spektakel aus Antiquitäten, Kunsthandwerk, Musik und Tanz. Im Mercado San Telmo probieren wir lokale Snacks, entdecken die winzige Casa Mínima (nur 2,5 m breit!) und begegnen Mafalda, der berühmten Comicfigur, auf dem Paseo de la Historieta.
3. Casa Rosada & Plaza de Mayo
Am historischen Platz im Herzen der Stadt steht die Casa Rosada, der rosafarbene Präsidentenpalast. Hier begann die Geschichte von Buenos Aires – und hier wird sie bis heute weitergeschrieben. Besonders bewegend ist die Erinnerung an die Madres de Plaza de Mayo, die bis heute an ihre unter der Militärdiktatur verschwundenen Kinder erinnern.
4. Avenida 9 de Julio & 5. Der Obelisk
Die Avenida 9 de Julio ist eine der breitesten Straßen der Welt – acht Spuren in jede Richtung! In ihrer Mitte steht der Obelisk, eines der Wahrzeichen der Stadt. Besonders bei Nacht, wenn er beleuchtet ist, entfaltet er seine ganze Wirkung.
6. Teatro Colón
Wir bestaunen das prachtvolle Opernhaus nicht nur von außen – das alleine würde schon reichen um beeindruckt zu sein. Wir nehmen an einer Führung durch das Theater teil und ergattern nach mehreren Versuchen tatsächlich Karten für Aida. Es wurden Karten kurzfristig zurückgegeben. Wir überlegen nicht lange und sind geflasht von dem Ambiente und der Aufführung. Eines unserer kulturellen Highlights in unserem bisherigen Leben.Das Teatro Colón gilt als eines der schönsten der Welt. Ein Ort, an dem Kunst und Eleganz aufeinandertreffen – ein Sinnbild für die kulturelle Seite dieser Stadt. Wir begegnen während der Aufführung Jung und Alt. Alle sehr schick angezogen. Wir suchen ebenfalls unsere besten Reiseklamotten raus :-) Im fünften Rang gibt es Stehplätze für weniger Geld. Wir sitzen unten im Parket.Die Aufführungen sind monatelang vorher ausgebucht und wir richtige Glückspilze.
7. Recoleta & Friedhof La Recoleta
Der wohl schönste Friedhof, den wir je gesehen haben. Mausoleen wie kleine Paläste, kunstvoll verziert und von Geschichte durchdrungen. Hier ruht auch Eva Perón (Evita) – ihr schlichtes Grab zwischen all der Pracht wirkt fast bescheiden und gerade deshalb besonders berührend. Das Viertel Recoleta selbst ist elegant, ruhig und lädt zum Bummeln ein.
8. La Boca & La Bombonera
La Boca – das Viertel, in dem das Herz von Buenos Aires schlägt. Bunte Häuser, Tangomusik, Straßen voller Leben – aber auch Armut und Geschichte. Die Caminito-Gasse ist touristisch, ja, aber trotzdem sehenswert. Und natürlich das legendäre Stadion La Bombonera der Boca Juniors – Fußballgeschichte pur! Als einziger Europäer nehme ich an einer Führung durch das Stadion teil und bin beeindruckt von der gelebten Fussballleidenschaft, welche hier Religion ist.
9. Tango am Plaza Dorrego
Kein Besuch in Buenos Aires ohne Tango. Auf dem Plaza Dorrego sehen wir Tänzerinnen und Tänzer unter freiem Himmel. Leidenschaft pur – mal professionell, mal improvisiert, aber immer mit Herzblut. Wir schauen den Tänzern draußen bei einem kalten Bier in der Abendsonne sitzend zu und besuchen eine Tangoshow im wunderschönen Ambiente bei einem vorzüglichen Essen. Bei einer Anleitung schnuppern wir ein wenig ins „Tangofeeling“ und sind unfassbar beeindruckt von den quasi artistischen Leistungen der Tangotänzer/innen.
10. Floralis Genérica
Diese riesige Metallblume im Plaza Naciones Unidas öffnet sich mit der Sonne und schließt sich bei Sonnenuntergang. Wir stehen davor, die silbernen Blätter spiegeln das Licht, und wir spüren: Das hier ist Buenos Aires – modern, poetisch, überraschend.
Achtung - Stand 20.03.2025!
In Argentinien spitzt sich die soziale und politische Lage derzeit deutlich zu. In Buenos Aires gehen seit Wochen zahlreiche Rentnerinnen und Rentner auf die Straße, um gegen die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und nur minimale Rentenerhöhungen zu protestieren. Die Regierung unter Präsident Javier Milei verfolgt einen strikten Sparkurs, der viele Menschen hart trifft.
Inzwischen haben sich die Demonstrationen ausgeweitet und es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei – teilweise mit Wasserwerfern, Tränengas und zahlreichen Festnahmen. Die wirtschaftliche Unsicherheit bleibt groß: Die Inflation ist hoch, die Kaufkraft sinkt und viele Argentinier blicken sorgenvoll in die Zukunft.
Für Reisende bedeutet das: Wer Buenos Aires besucht, sollte in diesen Tagen besonders aufmerksam sein. In zentralen Vierteln – vor allem rund um das Regierungsviertel und den Kongress – können Proteste spontan eskalieren. Abseits dieser Gebiete ist das Reisen im Land weitgehend unproblematisch, dennoch gilt wie immer in Großstädten: Wertsachen nah am Körper tragen, keine großen Bargeldbeträge zeigen und nur offizielle Verkehrsmittel nutzen.
Wir haben während unserer Argentinien Reise keinem gefährlichen Moment erlebt, aber konnten die Gründe für die Unzufriedenheit der Menschen gut nachvollziehen. Trotz der angespannten Situation haben wir die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Argentinier sehr geschätzt.
Unser Fazit – und ein leiser Abschied
Buenos Aires ist keine Stadt, die man einfach „besichtigt“. Sie ist eine Stadt, die man fühlt. Sie lebt, pulsiert, lacht, schreit, tanzt.
Nach sieben Monaten auf Reisen ist dies unser letztes Kapitel. Wir sind dankbar, glücklich, ein bisschen wehmütig – und gleichzeitig erfüllt. Buenos Aires hat uns gezeigt, dass das Ende einer Reise nicht traurig sein muss, sondern ein Anfang sein kann.
Wir nehmen unzählige Erinnerungen mit: an leuchtenden Farben, an Tango-Rhythmen, an Gesprächen mit Fremden, die sich nach Sekunden wie Freunde anfühlten. Am 1. April geht der Alltag wieder los – kein Aprilscherz. Aber der Zauber dieser Stadt, dieser letzten Tage, bleibt.
Buenos Aires – gracias por todo. Du warst das perfekte Finale einer unvergesslichen Reise.
Schlusswort – Ein Blick zurück auf sieben Monate Abenteuer
In einer Welt, die oft von Hektik und Lärm erfüllt ist, gibt es Orte, Menschen und Landschaften, die uns tief berühren und Sehnsüchte in uns wecken, von denen wir gar nicht wussten, dass sie in uns schlummern. Auf dieser Reise haben wir viele solcher Orte gefunden.
Sieben Monate – ein halbes Jahr voller Abenteuer, Begegnungen, Eindrücke und Emotionen. Von der tropischen Wärme Singapurs und Indonesiens, über die unendliche Weite Australiens, die magische Natur Neuseelands, bis hin zu den wilden Landschaften Chiles, den faszinierenden Höhen Boliviens und der Lebensfreude Argentiniens – jedes Land war einzigartig, jedes Kapitel ein Geschenk.
Wir denken voller Demut an all das, was wir erleben durften: An Vulkane, die in der Ferne rauchten. An leuchtend blaue Gletscher, die unter der Sonne knirschten. An Regenwälder, in denen die Luft nach Leben duftete. An Strände, an denen wir barfuß im Sand standen und einfach nur dankbar waren. An Berge, die uns mit ihrer Größe still werden ließen, und an Nächte, in denen der Sternenhimmel so nah schien, dass man ihn hätte berühren können.
Wir haben Tiere in freier Wildbahn gesehen, die uns den Atem raubten – Kängurus, Delfine, Wale,Walhaie, Robben, Pinguine, Flamingos, Guanakos, Schildkröten, Koboldmankis und viele mehr. Wir haben Städte erlebt, die pulsierten, und Orte, an denen nichts als Wind und Stille existierten. Und dazwischen so viele Begegnungen mit Menschen – offen, herzlich, hilfsbereit, neugierig. Viele von ihnen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Diese sieben Monate waren weit mehr als nur eine Reise. Es war eine Zeit des Loslassens, des Staunens, des Lernens. Wir haben erfahren, wie wenig man wirklich braucht, um glücklich zu sein – und wie viel Schönheit in der Einfachheit liegt.
Jetzt, am Ende dieser Reise, spüren wir tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für all die Momente, die uns geprägt haben, für die unzähligen Sonnenauf- und -untergänge, für das Lachen, die Gespräche, die Stille und das Gefühl von Freiheit, das uns überall begleitet hat.
Wir kehren zurück in den Alltag – nicht nur mit Fotos und Erinnerungen, sondern mit einem Herzen, das voller Erlebnisse, Begegnungen und Geschichten ist. Und mit dem Wissen: Die Welt ist zu groß und zu schön, um stillzustehen
.
Danke, Singapur.
Danke, Indonesien.
Danke, Australien.
Danke, Neuseeland.
Danke, Chile.
Danke, Bolivien.
Danke, Argentinien.
Ihr habt uns verzaubert, herausgefordert, überrascht – und uns gezeigt, wie wunderbar vielfältig unsere Erde ist.
Wir gehen mit vollen Herzen – und der Gewissheit, dass das Ende dieser Reise vielleicht erst der Anfang von etwas Neuem ist.
LG die Bornis 🫶🏽 nächstes ziel: Daheeme - Hohen Neuendorf
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San Carlos de Bariloche | Argentinien | Freitag - 14.03.2025 - 17:09 - GOOGLE MAPS
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Abschied von Chile und wunderschöne Seenlandschaft in ArgentinienWir fahren auf der chilenischen Ruta 215 Richtung Paso Fronterizo Cardenal Samoré. Dieser Hauptstraßenpass ist einer der am leichtesten zu fahrenden Andenpässe zwischen den beiden Staaten und eine der wenigen asphaltierten Passstraßen in der Region. Dieser Pass verbindet die Nationalparks Puyehue (in Chile) und Nahuel Huapi (in Argentinien) mit unzähligen Seen und Lagunen, bunten aber auch abgestorbenen Wäldern, Vulkanen und unglaublich schönen Bergmassiven. Auf der östlichen Seite vom Paso verläuft die argentinische Ruta Nacional 231, welche wir in Richtung San Martín de los Andes fahren werden. Rund eine halben Million Personen - Tendenz steigend und rund 31.000 Lastkraftwagen nutzen jährlich den Pass zum Grenzübertritt zwischen Chile und Argentinien.
Ein Grund für den starken Grenzverkehr ist, dass Argentinien derzeit teurer ist als Chile. Die Verbraucherpreise in Argentinien sind im Februar 2025 erneut um 2,4% gegenüber dem Vormonat gestiegen. Der strikte Sparkurs von Präsident Milei hat die Inflation in Argentinien im letzten Jahr halbiert – jedoch zunehmend zulasten der Bevölkerung.
Die Zunahme des Grenzverkehrs merken wir deutlich. Viele Argentinier stehen mit uns an den langen Warteschlangen zur Ausreise (von Chile) bzw. zur Einreise nach Argentinien an. Bei der argentinischen Zollkontrolle reichen die Pendler Unmenge an Kassenbons zur Prüfung über den Schalter. Für uns verlief in Ein- und Ausreiseprozedur problemlos. An diesem Tag regnete es unaufhörlich und die tiefhängenden Wolken verhüllen die schöne Landschaft. Daher fahren wir nach dem Grenzübertritt nach San Martín de los Andes. Ein Teil der prominenten Rute 40, ist im Bereich von San Martín de los Andes gesäumt von einer malerischen Seenlandschaft mit dem Namen „Ruta de los Siete Lagos“. Die Strecke mit Aussichtspunkten auf Seen in allen Blautönen und vielen Wandermöglichkeiten ist insgesamt 108 Kilometer lang. Sie führt entlang des Espejo, Correntoso, Villarino, Falkner, Escondido, Machónico, und dem Lácar See.
Die Route ist komplett ausgeschildert und Hinweisschilder zeigen an welchem See man sich gerade befindet. Bezüglich der vielen Abzweigungen muss man einfach mutig sein und schauen, wo man rauskommt. Viele nicht asphaltierte Wege belohnen einen am Ende mit türkisen Bächen, die in blaue Seen fließen und Stränden, die zum Verweilen einladen.
Unser Ziel - San Martín de los Andes liegt im nördlichen Patagonien am Lago Lacár inmitten des Nationalparks Lanín. Die Kleinstadt hat 20.000 Einwohner und ist das ganze Jahr über ein sehr beliebtes Reiseziel, vor allem bei Einheimischen.
San Martin wurde 1898 als Zentrum für Holzeinschlag und -verarbeitung gegründet und war einem europäischen Alpendorf nachempfunden. Im Jahr 1937 wurde der Lanin-Nationalpark eingerichtet (für den San Martin der Hauptsitz ist) und ein Großteil der ursprünglichen Industrie wurde zum Glück überflüssig. Dieser bewaldete Park beherbergt einige der spektakulärsten Landschaften Patagoniens, mit zahlreichen glitzernden blauen Seen, einem erloschenen Vulkan und einer reichhaltigen Natur. In den 1970er Jahren setzte der Tourismus in San Martin ein. Chapelco, das nur ein paar Kilometer entfernt liegt, ist eines der besten Skigebiete Südamerikas. Die relativ teure Stadt hat ihren alten Charme trotz stetigem Wachstum behalten können. In den Sommermonaten sitzen die Leute gerne am Seeufer, unterhalten sich beim Aroma ihres Mate-Tees und genießen die herrliche Bergsonne. Mit seinen von Rosen und Birken gesäumten Bürgersteigen, den breiten Alleen sowie den chaletartigen Häusern gehört San Martin de los Andes zu einem der schönsten Gebirgsorte in Südargentinien. Wir hat das Gefühl in der Schweiz zu sein. Nicht nur die Häuser sehen so aus wie in den Alpen, sondern auch die vielen Schokoladengeschäfte vermitteln uns ein klischeehaftes & bekanntes Gefühl.
Ein Strafzettel wegen Falschparken in Höhe von 42.105 argentinische Pesos holt uns schnell in die teuere argentinische Realität zurück. Unser größtes Problem ist es an Bargeld zu kommen. Am Geldautomaten bekommen wir nur 60.000 ARS (ca. 52€) ausgezahlt - wenn es mal Geld gibt. Diese Abhebung ist mit einer Gebühr von ca. 14.000 ARS (ca. 12€) verbunden. Was für ein schlechter Deal. Wir versuchen an mehreren Banken einen besseren KurS zu erzielen oder wenigstens mehr als 50 Euro abheben zu können, aber leider Fehlanzeige. Somit beschließen wir unser letzten chilenischen Pesos umzutauschen, damit wir flüssig sind. Die nette Mitarbeiterin vom Tauschbüro hat uns den Tip zur Bargeldbeschaffung über Western Union gegeben. Wir richten uns online eine Konto ein und Überweisung uns Geld, was wir am kommenden Tag bei der Post abholen können. Dies ist der einzige vernünftige Weg, derzeitig in Argentinien an Bargeld zu kommen. Somit sind wir aber um eine wirklich wichtige Erfahrung reicher, welche uns bei den zukünftigen Reisen von nutzen sein wird.
Wir haben ausserhalb der Stadt einen schönen Campingplatz mit stabilen WIFI gefunden. Da wir für die letzten Tage unserer Reise keine argentinische SIM Karte haben, benötigen wir für unsere Recherche und Planung oft den digitalen Zugang, was aber in jedem Café, Campingplatz, Tankstelle oder als freier Spot in jeder größeren Stadt möglich ist.
Nun werden die Nächte langsam immer kälter, so dass wir tagsüber jeden wärmenden Sonnenstahl genießen. Wir erkunden den Nationalpark Lanín mit seinen imponierenden Wäldern und Baumarten, die man sonst nirgendwo in Argentinien finden. Innerhalb des Parks liegt auch der berühmte Vulkan Lanín mit der Form eines Kegels, dessen Spitze meist schneebedeckt ist.
Leider gab es in der Region die schwersten Waldbrände seit 30 Jahren, wobei mehr als 37.000 Hektar betroffen waren. Fast alle Feuer würden von Menschen verursacht – teils absichtlich, teils fahrlässig. Auf Grund der Dürre hat der Flächenbrand verheerende Folgen, welche wir sehen und mit Sperrungen von Wanderwegen und Straßen auch merken. Die argentinische Regierung machte unter anderem radikale Gruppen des indigenen Volks der Mapuche verantwortlich, welche in diesem Gebiet leben. Sie kämpfen seit Langem für die Rückgabe ihrer Ländereien.
Das absolute Highlight des Nationalparks ist der namensgebende Vulkan. Der frei stehende 3.747 Meter hohe Lanin Vulkan wird aufgrund seines Aussehens oft mit dem Fuji in Japan verglichen und gilt als der schönste Vulkan in Argentinien. Daher fahren wir nach Junín de los Andes. Die Forellenstadt liegt ca. 70km nördlich von San Martín de los Andes und ist eine kleine Gemeinde mit ca. 10.000 Einwohner.
Da wir einen sonnigen Tage haben, beschließen wir uns den Vulkan als erstes anzusehen. Schon auf dem Weg zum Eingang des NP sehen wir Ihn. Mit seiner schneebedeckten Spitze und der perfekten Kegelform sieht er absolut magisch aus und dominiert die Landschaft des Nationalparks. Zudem befinden sich drum herum tiefblaue Seen, grüne Berge und kleine idyllische Orte. Ein perfekter Ort zum verweilen und genießen. Bereits die Straße zum See bot uns wieder tolle Aussichten auf die Natur und wir hielten immer wieder an um Fotos davon zu machen. Angekommen am See, wollten wir eigentlich in den dazugehörigen Nationalpark fahren und nach Wanderungen entlang der Straße Ausschau halten. Da wir erst am frühen Nachmittag dort angekommen sind und wir uns dachten, dass der Eintrittspreis für den NP auch wieder extrem teuer ist,suchten wir uns einen schönen Aussichtspunkt am Lake mit dem Vulkan im Hintergrund. Wir bewunderten das Panorama und genossen das sonnige Wetter.
Die kommenden Nächte verbrachten wir auf einem Campingplatz am Ufer des Rio Chimehuin in Junín de los Andes. Leider wurde das Wetter sehr wechselhaft. Viel Regen zwang uns zur Langsamkeit, aber für die Natur und den Brandbekämpfern ist der Niederschlag eine Erlösung.
Wir haben im Ort bei einer Wäscherein, betrieben von einem sehr netten älteren Pärchen, unsere letzte Großwäsche beauftragt.
Im Osten der Stadt liegt der Berg Cerro de la Cruz. An seinem Gipfel befindet sich ein großes weißes Kreuz, die sichtbar von der Stadt aus ist.
Das Skurrilste, was man in Junin tun kann, ist ein Besuch in der Via Christi Parque Escultorico, wo man 23 skulpturale Installationen finden, die das Leben Christi künstlerisch darstellen. Auf einem bewaldeten Hügel über der Stadt arrangierte der argentinische Architekt und Künstler Alejandro Santana Betonskulpturen, die von der Kreuzigung, dem Tod und der Wiedergeburt Christi inspiriert waren und nicht konfessionelle und kulturelle Botschaften darüber, ein besserer Mensch zu sein, inspiriert waren.
Es wurde darauf geachtet, anzuerkennen, dass " Gott " unterschiedliche Namen und Bedeutungen für verschiedene Menschen hat. Jesus-Figuren nehmen auch verschiedene Gesichter an, einige von ihnen basieren auf lokalen Arbeitern, und die Menschen und Traditionen indigener Gruppen aus der ganzen Region (Mapuche, Inka, Quechua usw.) sind ebenfalls reichlich vertreten.
Am beeindruckendsten ist die fast 60 Meter lange Christi Figur besteht aus einem aufwendigen Metallrahmen, welche aus kleine dreieckige Abschnitte mit Sicherheitsglas besten. Die Figur, die außerhalb des Geländes gebaut und dann über einen Zeitraum von 6 Monaten auf dem Hang zerlegt und wieder zusammengebaut wurde, scheint entweder wieder in die Erde zu sinken oder aus ihr herauszukommen.
Bei Veranstaltungen finden im Inneren der Christi Figur rund 100 Leute Platz.
Wir fahren wieder zurück nach San Martin de los Andes und erleben ein mehrstündiges Unwetter mit Regen, Hagel und orkanartigen Wind. Nachtemperaturen um den Gefrierpunkt lassen uns morgens immer länger im Camper verweilen. Der nächste Morgen begrüßt uns mit blauen Himmel. Im laufe des Tage steigen die Temperaturen auf 22-25 Grad. Daher beschließen wir den Tag am Lácar Lake zu verbringen. Wir fahren ca. 25km auf einer Gravel Road am See entlang und landen schließlich an einer sehr populären Stelle für Sonnenanbeter. Mehreren Buchten mit mit idyllischen Liegeplätzen auf den Felsen laden uns zum abhängen und Sonne tanken ein. Mir war das Geltscherwasser zu kalt, aber einige Mutige haben sich doch getraut.
Unsere Tage mit dem Camper sind gezählt. Wir machen uns langsam auf den Weg nach San Carlos de Bariloche. In der westargentinische Großstadt (ca. 140.000 Einwohnern) werden wir den Camper an Sergio zurückgeben. Er wird dann sein Wagen in das 1800km entfernte Punta Arenas - Chile zurückbringen. Uns bleiben noch ein paar Tage, aber wir merken, dass das Ende unserer Reise immer näher rückt, was uns etwas traurig macht.
Wir fahren entlang der Berglandschaft von San Martin de los Andes bis zum Abzweig der Ruta Provincial 65. Die Camino de los Siete Lagos, auf der man die spannende und abwechslungsreiche Landschaft des Nationalpark Nahuel Huapi genießen kann, können wir jetzt ohne Regen und mit vielen schönen Ausblicken genießen.
Der kurvenreiche Weg über die Ruta 65 zur kleinen Ortschaft Villa Traful am gleichnamigen See lohnt sich. Farne, bemooste Baumstämme, meterhoher Bambus und dichte Bartflechten erinnern an Urwald. Nach Überwindung einer weiteren Passhöhe erreicht man schließlich das Westufer des Lago Traful. Besonders gut hat uns war der Mirador del Traful, ein Aussichtspunkt mit wunderschönem Panorama auf die umliegende Landschaft, welcher nur ein paar Kilometer westlich von Villa Traful liegt. Die Klippen fallen hier fast 100 Meter senkrecht in den See ab. Die ca. 300 Einwohner leben hier in traumhafter Lage und weitgehend vom Tourismus.
Am Ende der Strecke landen wir auf der asphaltierten Ruta 237 und fahren im grünen Tal des Rio Limay Richtung Bariloche.
Wir übernachten vorher auf der anderen Flussseite des Rio Limay in Örtchen Villa Llanquín. Mit einer kleinen Fähre - maximal zwei PKW inkl. Fahrer - welche durch die Strömung angetrieben wird, kommen ich zur anderen Flussseite. Aus Sicherheitsgründen muss man während der Fahrt aus dem Auto raus. Kerstin hat die andere Flussseite über die Fussgängerhängebrücke erreicht.
Der Campingplatz war etwas abgelegen und auch hier gab es kaum Gäste. Die Campingsaison ist scheinbar fast vorbei.
Am kommenden Tag geht es über den Fluss weiter nach Bariloche. Wir sehen die wunderschöne Landschaft mit riesigen Wäldern, schneebedeckten Berggipfeln und den unbeschreiblich schönen Bergseen. Kein Wunder lockt die Seenregion um Bariloche Unmengen von Besucher an. Im Winter ist der nahegelegene Cerro Catedral eines der beliebtesten Skigebiete Argentiniens und im Sommer lockt die Ortschaft vor allem Wanderer aus aller Welt an. Während die Umgebung von San Carlos de Bariloche von Naturschönheiten nur so strotzt, versprüht die Stadt für uns kaum einen nennenswerten Charme aus.
Lediglich der zentrale Platz mit dem Gemeindezentrum ist sehr hübsch. Eine mächtige Reiterstatue wird hier eingerahmt von schönen steinernen Gebäuden mit Holzbalkonen. An dem begrünten Hang vor dem Platz liegen die Einheimischen auf der Wiese und genießen die Sonne und den Blick auf den See. Man sieht auch ein paar alpenländische Chalets mit Erkern + Balkonen und viele Schokoladenläden zeigen uns, dass wir in der Schweiz von Argentinien sind.
Um uns einen Überblick zu verschaffen, fahren wir auf den Hausberg Bariloches - Cerro Otto. Eine retro Gondel Seilbahn aus Österreich bringt die meisten Leute auf den 1.405m hohen Berg. Wir beschließen die Schotterpiste mit unserem Caddy bis zum drehenden Aussichtsrestaurant hochzufahren. Da auf dem Cerro Otto im Winter Skibetrieb ist, vermuten wir das der von uns gefahrene Weg zum Aussichtspunkt die Talabfahrt in der Wintersaison ist. Jedenfalls erwartete uns eine außergewöhnliche Aussicht. Im Norden sieht man die Stadt Bariloche und den Nahuel Huapi-See. Im Osten kann man die Hügel Leones und Villegas und einen Teil der patagonischen Steppe sehen. Im Süden können wir den Gutiérrez-See und andere nahe gelegene Hügel sehen; und im Westen befinden sich der Cerro Catedral, der Moreno-See und die Anden.
Nachdem wir diese von der Natur geschaffenen Kunstwerke ausgiebig betrachtet und fotografiert haben, geht es auf der Talfahrt wieder runter. Die letzten zwei Nächte im Camper, wollte wir in der Nähe von Bariloche, in schöner Natur und am See verbringen.
Wir fuhren in das 25km entfernte Dörfchen „Colonia Suiza“ um dort auf dem Campingplatz „Ser“ einzuchecken. Unter großen, schattigen Tannen bekamen wir ein Plätzchen auf dem weitläufigen und sehr gut besuchten Platz zugewiesen. An diesem Wochenende fand in der „Colonia Suiza“ ein großer Volksfest statt weswegen in dem von Schweizer Auswanderern gegründeten Örtchen richtig viel los war. Die „Colonia Suiza“ ist voll und ganz auf Touristen ausgerichtet, denn es gab sehr viele Kunsthandwerk- und Souvenirläden sowie eine Food-Meile und einige urige Restaurants im Chalet Stil. Wir bummelten über das Fest, beobachteten die Leute und hörten den Musikern zu. Tagsüber schien die Sonne so kräftig, dass wir sogar ein Abschiedsbad im sehr kalten Moreno-See nahmen.
Die Rucksäcke wurden wieder gepackt und das Auto haben wir nochmal gründlich gereinigt. Nun war er da, unser letzter Campertag. Nach 6.000km von Punta Arenas bis nach Bariloche mit vielen Schotterpistenkilometer, viel Staub, mit tiefen Schlaglöchern im Asphalt, Sonne /Regen/ Hagel und Schnee starten wir das letzte mal den Motor.
Wir fahren den Circuito Chico, welcher ein sehenswerter Rundweg durch den Nahuel Huapi Nationalpark ist. Die rund 30 km durch die abwechslungsreiche und ausgesprochen fotogene Landschaft führen uns zurück nach Bariloche.
Unser Hotel ist schnell gefunden. Wir packen alles aus und pünktlich kommt Sergio zur Fahrzeugübergabe an. Wir geben Ihm noch ein paar Hinweise und praktische Tips für das Vanlife mit auf den Weg nach Südchile - und das war es. Wir sind traurig, dass die Zeit im Camper vorbei ist. Die Art zu reisen, so die Länder zu erleben und zu spüren - ist genau unsere bevorzugte Reiseart. Wir lieben diese Unabhängigkeit und merken mal wieder WIE WENIG wir eigentlich brauchen. Mit leichten Gepäck lässt es sich besser reisen.
Letzter Stop wird Buenos Aires sein.
Vg ….die Bornis nächstes ziel: Buenos Aires
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Puerto Octay - Las Cascdas | Chile | Dienstag - 04.03.2025 - 18:50 - GOOGLE MAPS
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Puerto Montt, Vulkan Osorno & der Abschied von ChileIn Puerto Montt angekommen finden wir nichts erwähnenswertes, bis auf das Hafengebiet Angelmo. Das geschäftige Treiben, der Markt mit frischem Fisch und Meerestieren, die vielen Souvenirstände und die Seelöwen sind uns gut in Erinnerung geblieben. Ansonsten war für uns in Puerto Montt nicht so viel los. Die Großstadt ist eher der Ausgangspunkt für alle Reisenden nach Patagonien.
Wir sind nur eine Nacht geblieben und haben unsere Reise nach Puerto Varas fortgesetzt. Das 1854 gegründete Puerto Varas war die erste deutsche Siedlung am Llanquihue See. Die von den deutschen Einwanderern vererbte Architektur, die lange Seepromenade und die Lage vis-à-vis des schönsten Vulkans weit und breit machen den Charme von Puerto Varas aus.
Wir hatten Wetterglück und konnten den Anblick des majestätischen Osorno Vulkan von unserem Campinglatz „Werner“ genießen. Irgendwie zog es uns aber wieder in die Natur, weg von den Touristenhochburgen.
Wir sind am kommenden Tag am Ufer des Llanquihue Lake in Richtung Osorno Vulkan gefahren. Der Lago Llanquihue ist mit 877 km² der zweitgrößte See Chiles - zum Vergleich, die Fläche des Bodensees ist 536 km².
Immer wieder hatten wir auf der Uferstraße einen herrlichen Ausblick auf den Vulkan.
Der Osorno ist 2652 m hoch und gilt als kleiner Fuji Chiles. Dies ist eines der beliebtesten Touristenziele im Sommer, sowie im Winter zur Skisaison - also nichts mit menschenleerer Natur. Wir sind bis zur Liftstation mit dem Auto durch den Nationalpark Vicente Pérez Rosales gefahren. Auf den in die Jahre gekommenen Sessellift, sind wir dann bis zur Bergstation gefahren. Oben angekommen hatten wir ein tollen Ausblick auf den Gletscher des Osorno sowie auf die umliegenden Vulkane Calbuco, Antillanca, Tronador und den tiefblauen Lago Llanquihue. Stillschweigend vor Ehrfurcht haben wir diesen Moment genossen.
Am Abend haben wir uns eine Campingplatz am Lake gesucht.
Am kommenden Tag fahren wir zu dem Saltos de Petrohué. Diese Wasserfälle des Río Petrohué sind wie der Osorno eine Besuchermagnet in dieser Region. Dementsprechend sind der Parkplatz und die Aussichtspunkte voll. Der Anblick des Kaskaden-Wasserfalls mit dem Vulkan Osorno im Hintergrund war spektakulär. Dank eines strahlend blauen Himmels hatten wir Postkartenmotive vor uns. Am Nachmittag sind wir noch zum Örtchen Petrohue gefahren, welcher zwischen dem schneebedeckten Vulkan Osorno und den Lago Todos los Santos liegt. Ein Sprung ins kalte Wasser durfte nicht fehlen.
Wir tuckern langsam am nächsten Tag auf der V-69 südwärts in Richtung Nationalpark Hornopirén. Das Wetter wird nun langsam wechselhafter und ausgiebige Regenschauer begleiten uns. Wir finden einen sehr schönen und preiswerten Campingplatz am Reloncaví-Fjord.Der Fjord ist auf Grund seiner Tiefe und seiner insgesamt günstigen Wasserbedingungen eines der Zentren der chilenischen Zuchtlachsproduktion.
Wir sehen einige Thermen auf unserem Weg, so dass wir uns kurzentschlossen für eine natürliche Oase mit heiße Quellen entscheiden.
Die Termas del Sol sind bekannt für ihre heilende und therapeutische Eigenschaften. Die Temperatur der Becken variieren zwischen 36° und 45°. Umgeben von üppiger Natur, die zum Abschalten und Entspannen einlädt, verbringen wir mehrere Stunden dort. Was für eine Wohltat für unseren Körper. Tiefenentspannt sind wir am kommenden Tag bis zum Hafenstädtchen Hornopirén weitergefahren. Wir trödeln zunehmend mehr,und sind so im hier & jetzt und genießen die kleinen Dinge - wie z.B. süße Straßenhunde, den Markt (lassen uns hinsichtlich Mate beraten), eine schöne alte Holzkirche und guten Kaffee - ein wirklich schönes Örtchen . Am kommenden Tag nutzen wir das schöne Wetter, um im Nationalpark Hornopirén eine Wanderung zu unternehmen. Der 48.232 Hektar großer Nationalpark ist von gebirgiger Landschaft und dichtem Bewuchs durch kühlgemäßigten Regenwald charakterisiert. Entlang des türkisfarbenem Rio Blanco, einen Wildwassersport- und Raftingrevier, vorbei an vielen Bienenkästen geht unsere Wanderung zu einem Wasserfall.
Am Nachmittag setzten wir unsere Fahrt an der Fjordküste fort. Wir sehen wie Delphine die durchs Wasser schießen und beobachten das wilde Treiben eine Weile, bis sie dann wieder auf die offene See rausschwimmen.
Wir fahren Richtung Puerto Montt zurück. Nehmen eine Autofähre und besuchen den
Alerce Andino Nationalpark. Der Nationalpark beherbergt eine der ältesten Wälder der Welt.
Von den 40 000 Hektar des Alerce Andino Nationalparks wird die Hälfte von den letzten tausendjährigen „Alercen“ oder Patagonischen Zypressen auf dem Planeten bedeckt. Viele von Ihnen sind um die 3000 Jahre alt und vom Aussterben bedroht.
Die seltene südamerikanische Lärchenart wächst in 20 Jahren nur um 1 cm im Durchmesser.
Wenn man hier tief in die Wälder eintaucht, erlebt man schnell und intensiv einen gemässigten Regenwald, der bis auf die Farbe nicht viel mit unseren Wäldern zu tun hat. Wir haben in den botanischen Gärten der Welt ja schon einige Epiphyten gesehen (Pflanzen die auf Pflanzen sitzen), aber was hier auf den grossen Bäumen abgeht, ist echt unglaublich. Hier ist jeder der bis zu 50 m hohen Bäume sein eigenes Ökosystem mit einer Vielzahl von verschiedenen Pflanzen vom alles überwuchernden Moos über die endlosen Lianen bis hin zu recht normal aussehendem hohen Gras, dass in 10 m Höhe auf den Ästen wächst. Wir fühlen uns wie in einem Zauberwald aus längst vergangener Zeit. Dazu passend sehen wir am Wegesrand eine Südandenhirschkäfer. Der einsetzende Dauerregen schmälert das Erlebnis keineswegs.
Unser Campingplatz ist kurz vor Puerto Montt, so dass wir am kommenden Tag nochmal dem Outlet Patagonia einen Besuch abstatten. Schnell ging dann unsere Fahrt auf der bereits bekannten Route weiter zum Osorno, wo wir übernachten wollten. Der anvisierte Campingplatz hatte schon geschlossen, doch die Besitzerin hat für uns den Platz geöffnet, so dass wir die volle Platzauswahl hatten. Unser Stellplatz war mit Blick auf den Lago Llanquihue einfach nur perfekt.
Nun war es Zeit Chile zu verlassen und über eine Passstraße nach Argentinien zu reisen. Wir hatten uns noch ein paar Tage für die Seenlandschaft um Bariloche eingeplant. Die Aus- und Einreise verlief problemlos. Leider hingen die Wolken an diesem Tag sehr tief, so dass man die Landschaft nicht gesehen hat.
Vg…die Bornis nächstes ziel: Sant Carlos de Bariloche
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Ancud - Isla Grande de Chiloé | Chile | Sonntag - 23.02.2025 - 15:07 - GOOGLE MAPS
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Vulkanbesteigung, anschließend InselbesuchNach dem Volksfest sind wir noch ein paar Kilometer gefahren, denn wir wollten uns unbedingt den Queulat Nationalpark ansehen. Bekannt wurde er vor allem wegen seines gewaltigen Hängegletschers Ventisquero Colgante. Der weitläufige Park inmitten unberührter Natur liegt direkt an der „Carretera Austral“, etwa 20 km von der Stadt Puyuhuapi und 3 Stunden nördlich von Coyhaique entfernt.
Am kommenden Tag hat der Nationalpark geschlossen und die von uns geplante 5 stündige Wanderung zum hängenden Gletscher ist seit heute nicht mehr möglich. Schade! Grund hierfür ist die Erneuerung der Wanderwege, Brücken und Aussichtsplattformen. Die Saison ist hier fast vorbei und die Campingplätze sind leer oder zum Teil sogar schon geschlossen.
Somit müssen wir uns mit dem Blick vom Campingplatz auf den imposanten Gletscher begnügen.
Unser nächstes Ziel ist der Pumalin Nationalpark.
Der Park ist ein privater Naturpark der von US-Millionär Douglas Tompkins gegründet wurde. Er liegt in der Fjordregion der Región de los Lagos in Chile, zwischen Chaitén und Hornopirén und der Grenze zu Argentinien. Er ist bekannt für seine alten Baumbestände (3000 Jahre alte Alercen) im gemäßigten Regenwald, Vulkane und Gletscher. Am 2. Mai 2008 kam es zum letzten Ausbruch des Chaitén Vulkan. Eine Aschewolke stieg über 16 Kilometer hoch auf. Pyroklastische Ströme gingen an der Nordost-Flanke des Vulkans nieder und zerstörten ausgedehnte Waldflächen.
Von Aschestürmen wurde das Dorf mit einer dicken Ascheschicht überdeckt und die Wasserversorgung wurde größtenteils kontaminiert. Zudem floss Magma in den Fluss und in mehrere Häuser und begrub diese. Am Stadtrand gibt es noch ein paar Häuser, die diese Naturkatastrophe widerspiegelt. Die 4.000 Einwohner der Stadt wurden in der Zeit evakuiert und Chaitén galt als eine Geisterstadt. Nach den Ereignissen kehrten die Bewohner zurück, bauten ihre Häuser wieder auf und siedelten sich neu an. Die Regierung fragte, ob sie Chaitén mehrere Kilometer verschieben sollten, jedoch wollte dies die Mehrheit der Bewohner nicht. Sie leben lieber mit dem Risiko, dass der Vulkan ausbrechen könnte. Dies ist Teil ihrer Heimat und diese wollten wir uns mit der Besteigung des Vulkans ansehen.
Wir übernachteten nur einige Kilometer vom Startpunkt des Wanderweges am Lago Rio Negro. Für unsere Verhältnisse sind wir am kommenden Tag früh gestartet (8:30Uhr). Wir liefen eine Stunde hoch. Anfangs führte uns der Weg durch dichten Regenwald und Gebüsch. Je weiter wir nach oben kamen, umso steiler und steiniger wurde der Weg. In der ganzen Region waren die toten Baumstämme zu sehen. Als stumme Zeugen des pyroklastischen Stroms geben sie ein schönes Fotomotiv.
Auf den Weg nach oben, konnten wir das Flussbett des Rio Blanco sehen. Dieses war mit vielen Segmenten gefüllt. Oben angekommen hatten wir eine gute Sicht auf den Krater. Dieser dampfte vor sich hin. Leider konnte man nicht nach ganz oben zum Katerrand. Es war aber sehr beeindruckend vor einem aktiven Vulkan zu stehen, der in der Lage ist so viel zu zerstören. Wir liefen oben noch ein wenig herum, bevor wir uns auf den Rückweg machten.
Für den kommenden Tag, hatten wir eine Fährfahrt nach Quellón gebucht.
Die Hafenstadt liegt im Südosten der Insel Chiloé an der Panamericana und ist der offizieller Start- bzw. Endpunkt (Kilometerstein 0 der Carretera Panamericana).
Pünktlich stellen wir uns in die Schlange wartender Autos an. Ca. eine dreiviertel Stunde vor der Abfahrt, kommt ein offizieller Beamter des Zolls zu uns und meinte, dass wir noch eine Bestätigung / Zustimmung - oder Stempel für unser Auto benötigen. Wir sollten wieder ins Dorf fahren und diesen noch holen. Wegen der noch verbleibenden Zeit, sind wir zurückgerast. Leider haben wir nicht genau verstanden, worum es eigentlich bei der noch fehlenden Zustimmung geht.
Wir stürmen in das gedachte Büro, doch die Mitarbeiter verstehen nicht (trotz Übersetzer), was wir von Ihnen wollen. Also rennen wir zum Büro, welches uns die Fährtickets verkauft hat. Wir machten unsere dringliche Lage mit Körpersprache deutlich, doch die Mitarbeiterin telefonierte seelenruhig weiter. Mir ist dann der Kragen geplatzt und ich bin ins Büro rein und habe Ihr verklickert, dass wir schnell irgendwas benötigen - aber was genau war uns immer noch nicht klar. Fakt war nur, dass die Fähre in 20min planmäßig ablegen würde. Irgendwann machte es bei der Mitarbeiterin klick und sie schickte uns in ein anderes Haus. Dort würden uns geholfen werden.
Wir rennen zu dem Zoll-Haus, wo ein Mitarbeiter am Schreibtisch sitzt und auf den Bildschirm starrt. Wir waren nun an der richtigen Stelle, aber leider konnte der Mann kein Englisch. Wir übergaben die Fahrzeugunterlagen und baten um schnelle Bearbeitung, da nur noch 15 min bis zu Abfahrt fehlten.
Er fing an irgendwelche digitalen Dokumente zu lesen. Ein weiter Kollege, der uns aus der Warteschlange hierher geschickt hatte, kam hinzu. Die beiden diskutierten und suchten weiter nach irgendwelche Unterlagen. Letztlich wurde zum Telefonhörer gegriffen, die offizielle Abfahrtzeit war bereits verstrichen, um den oberste Zollchef zu konsultieren. Ich versuchte mit der ÜbersetzungsApp den Zusammenhang zu verstehen. Der VW Camper ist ein Re-Import und war nicht auf irgendeiner Registrierliste auffindbar. Somit musst erst der Chef telefonisch seine Zustimmung geben, dass wir mit der Fähre fahren dürfen.
Wir rasen also zurück (mit dem Zollbeamten) zum Fähranleger. Die Fähre war bereits voll beladen und wartete seit ca. 30min aufs Ablegen.
Alle Augen auf uns gerichtet, fuhren wir rückwärts auf den letzten Stellplatz. Unser Puls war zwischenzeitlich bei 200…aber wie so oft fügt sich alles zum Guten.
Die 6 stündige Überfahrt hätte Dank ruhiger See entspannt verlaufen können…für Kerstin war es wohl eine der schlimmsten Überfahrten.Scheinbar hat sie irgendetwas nicht vertragen …und sieht mächtig „grün“ aus. Gegen 23 Uhr haben wir Quellón erreicht. Unser Krankentransport (einer liegend, einer fahrend) hat die Fähre als erster verlassen. Die sehr kurze Nacht verbrachten wir auf einem freien Stellplatz in der Nähe einer Tankstelle und eines Krankenhauses. Den kommenden Tag fühlten wir uns beide total erschlagen. Daher sind wir nur ein paar Kilometer zu einem privaten Landschaftschutzgebiet gefahren. Ein ausgiebiger Mittagsschlaf brachte uns wieder auf Vordermann, so dass wir am Nachmittag den liebevoll angelegten Pudu Park besuchen konnten. Mit einer Schulterhöhe von 35 bis 38 cm, einer Kopf-Rumpf-Länge von 80 cm, einer Schwanzlänge von ca. 2 cm und einem Gewicht von 6 bis 8 kg zählt der Südpudu zu den kleinsten Vertretern aus der Familie der Hirsche. Leider haben wir die kleinen Hirsche nicht gesehen.Die Gastfreundschaft der Parkbesitzer hat uns entschädigt.Die Familie war so lieb und zuvorkommend.Sie gaben uns am nächsten Morgen ein selbstgebackenes Brot mit auf den Weg.
Das Inselarchipel von Chiloé ist nach dem zur Hälfte argentinischen Feuerland Chiles zweitgrößte Insel. Da sich Chiloés Entwicklung immer unabhängig vom Festland vollzogen hat, wirkt die Insel bis heute relativ unberührt und ist dementsprechend touristisch nicht so stark frequentiert. Auf der Insel scheinen die Uhren langsamer zu ticken – das Leben geht noch seinen einfachen, von den Gezeiten bestimmten Gang.
Zu den klassischen Sehenswürdigkeiten Chiloés gehören neben der rauen, zerklüfteten Küstenlandschaft, die im Westteil der Insel auch durch einen Nationalpark geschützt ist, und den malerischen Fischerdörfern mit ihren buntbemalten Stelzenhäusern vor allem Chiloés Holzkirchen. Als Prunkstücke gilt die Kathedrale von Castro. Die grosse Kirche ist gelb gestrichen, doch die Farbe ist schon ziemlich verblasst. Umso schöner ist das Innere der Kirche. Die Iglesia San Francisco ist eine der 16 Holzkirchen von Chiloé, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Wir waren sehr beeindruckt vom Holzbauwerk.
Castro ist die Hauptstadt der Provinz Chiloé und die drittälteste Stadt Chiles. Klassische Fotomotive geben auch die bunten, oft baufällig wirkenden Palafitos ab, wie wir sie in Castro gesehen haben. Viele dieser alten Stelzenhäuser stehen leer oder wurden zu kleinen Hotels oder Restaurants umgebaut.
Auf den weg zu den Pinguinen kommen wir durch das Städtchen Ancud.
Die Stadt liegt am Kanal von Chacao im Norden von Chiloé. Durch sie führt die Panamericana. Das hier vorherrschende Klima ist mild, aber außerordentlich feucht. Regen kommt überaus häufig vor - welcher uns auf der ganzen Insel bereits begleitete. Die Stadt verfügt über Befestigungsanlagen, die im 18. und 19. Jh. noch Piraten fern hielten. Bei unserer Ankunft in der Stadt, waren die Bewohner in heller Aufruhr. Ein Großbrand im Zentrum löste ein Verkehrschaos aus. Wir suchten uns ein Kaffee und haben den Stadtbesuch erstmal verschoben.
Wir fahren die letzten paar Kilometer zur Bucht von Puñihuil.
Dort befinden sich drei kleinen Inseln (Islotes de Puñihuil), einer der wenigen Orte auf der Welt, an dem sowohl der Magellanpinguin als auch der Humboldtpinguin nisten.
Leider regnet es unaufhörlich, so dass wir uns einen Stellplatz für die Nacht gesucht haben.Geweckt werden wir von einem neugierigen Schaf, dass direkt ins Auto schaut-das sah sehr witzig aus.Es scheint zunächst so ,als würden die Ausfahrten zu den Pinguinen mit den Fischerbooten wieder nicht erfolgen, da dichter Nebel die Inseln umhüllt. Doch pünktlich zur Abfahrtzeit reißt der Himmel auf und wir hatten bestes Wetter. Glücklicherweise zeigten sich auch beiden Pinguinarten zahlreich.
Unsere Rückfahrt geht dann wieder über Ancud hin zur Fähre nach Chacao. Die Autofähre benötigt rund zwanzig Minuten bis zum Festland nach Pargua. Von dort sind es noch rund 60km bis nach Puerto Montt.
Unser Abstecher über die Insel war anders als Patagonien. Hier sieht man nicht jeden Tag unfassbare Landschaften, sondern man erlebt und sieht das einfache chilenische Leben, abseits vom Tourismus. Das Wetter hat uns oftmals eine Pause aufgezwungen, was aber nach den vielen Eindrücken, Erlebnissen und der kontinuierlichen Vorwärtsbewegung, auch mal gut tat.
Vg…die Bornis nächstes ziel: Volcano Osorno
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Villa Maniguales | Chile | Sonntag - 16.02.2025 - 14:52 - GOOGLE MAPS
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Auf der Carretera Austral nordwärtsDie Naturstraße Carretera Austral windet sich durch die unwegsame Gegend des Südens von Chile. Die Landschaft in diesem Teil Chiles ist geprägt von zerklüfteten Fjorden, steilen Felswänden und dichtem Regenwald. Kein Wunder, dass dieser Teil von Chile kaum besiedelt und wenig erschlossen ist. Wir fahren auf der staubigen Gravel Road Ruta 7 weiter in Richtung Norden. Ein Sprichwort hier besagt: „Wer in Patagonien hetzt, verliert Zeit.“ Sicher soll die Natur langsam und aufmerksam wahrgenommen werden…Schlaglöcher, Staub und Waschbrettpisten „helfen“ uns beim Langsamreisen.Also haben wir das Pistenabenteuer sehr gerne angenommen.
Im Jahre 1976 begannen unter der Militärdiktatur Augusto Pinochets die Bauarbeiten für eine Straße durch den Süden. Die Carretera Austral („Südliche Landstraße“) bildete das bis dahin aufwändigste Großprojekt Chiles im 20. Jahrhundert und galt als Prestigevorhaben des Regimes. Mehr als 10.000 Soldaten wurden zeitweise für den Bau eingesetzt. Der Straßenbau erwies sich auf Grund der Landschaft als äußerst schwierig. Eine direkte Nord-Süd-Verbindung war technisch unmöglich, daher führen rund 1150 km der Wegstrecke von Norden nach Süden und rund 229 km von West nach Ost. Vier Meerengen müssen per Fähre gekreuzt werden. Der Bau kostete rund 200 Millionen US-Dollar. Bis weit in die 1990er Jahre wurde an dem gegenwärtigen Zustand der Straße gebaut. Trotzdem sind Teile der Carretera Austral sehr einfache Schotterpisten. Die Wartung und Pflege erweist sich als zu aufwändig. Etwa die Hälfte der Carretera Austral ist inzwischen asphaltiert. Wenn man vom Süden kommt -so wie wir, beginnt momentan der Asphalt hinter der Siedlung Villa Cerro Castillo. Aber bevor es auf der asphaltierten Carretera weitergeht, machen wir ein zweitägigen Stop in der Siedlung.
Die Berge in Patagonien üben eine magische Anziehungskraft auf uns aus. Kein Wunder also, dass wir uns auf den Weg nach Nordpatagonien unbedingt die Burg Patagoniens, den Cerro Castillo, aus nächster Nähe ansehen wollen. Ein mächtiger Berg aus pechschwarzem Granit. Wie eine Burg mit hunderter kleiner Türmchen, die einem Herr der Ringe Buch entsprungen sein könnte, wacht der 2675 Meter hohe Cerro Castillo über die ungezähmte Landschaft des gleichnamigen Nationalparks. Diesen unvergesslichen Anblick wollen wir natürlich auch bestaunen. Für Wanderfreunde gilt der Trek zum Cerro Castillo, als wahrer Geheimtipp in Patagonien.
Wir finden im Ort ein netten Campingplatz und haben am nächsten morgen den Wettergott auf unserer Seite. Blauer Himmel, kein Wölkchen zu sehen und Temperaturen um 12 Grad am frühen Morgen. Nach dem Frühstück, fahren wir im Ort bis zum Ende einer Schotterpiste, wo sich ein kleiner Privatparkplatz befand. Die Frau kassierte pro Auto 5.000 CLP ab - ein guter Zuverdienst, denn am Nachmittag war dieser randvoll. Ein kleiner Bretterverschlag markiert den Eingang des Trails. Hier entrichten wir die 16.000 Pesos Eintritt pro Person und werden registriert. Die ersten Kilometer führen durch Privatbesitz und werden dem Landbesitzer in den nächsten Jahren sicher einen ordentlichen Geldregen bescheren.
Die Parkranger erklärt uns die Gegebenheiten der Wanderung. Immer auf den Pfaden bleiben, den rot-weißen Markierungen folgen und besonders den letzten, steilen und steinigen Teil der Wanderung nicht unterschätzen. Der Aufstieg !!! dauert etwa 3-4 Stunden, je nach Fitnesszustand. Wir überquere einen kleinen Zaun und die Mission Cerro Castillo kann starten. Der stille, wilde chilenische Wald liegt am Morgen (9 Uhr) vor uns. Es folgt ein kleiner Kuhfladen- und Pferdeäpfel-Slalom. Wir sind allein in dieser sagenhaften Natur und genieße jeden Meter im Märchenwald, den wir zurücklegen. Immer begleitet vom patagonischen Wind, der besonders auf den baumlosen Abschnitten das Vorwärtskommen erschwert.
Der erste Teil der Cerro Castillo Wanderung ist keine große Anstrengung und wir komme zügig voran. Die Vegetation wird von Schritt zu Schritt spärlicher. Nur noch hüfthoch sind die Sträucher und vereinzelt stehen die vom Wind gezeichneten, knorrigen Lenga Bäume. Das raue Klima und die starken Winde formen hier oben die Landschaft.
Wir lege eine Pause ein und schauen hinab ins Tal. Was für ein Anblick. Diese weite, menschenleere Landschaft liegt uns zu Füßen. Verschlungene Flußläufe das Ibañez-Tal, weit entfernte Gipfel und ein weites Spektrum an Naturtönen erfüllen unser Herz mit Glück und brennen sich tief in unser Gedächtnis ein.
Wie weit kann man eigentlich sehen????…100km oder können es auch 200 oder 500km sein - einfach unfassbar diese Fernsicht.
Die Baumgrenze ist erreicht und das Aussehen der Landschaft ändert sich schlagartig. Aus bewachsenem Boden und festem Untergrund wird ein von Steinen und Geröll überhäufter Weg, der steil nach oben führt. Vorsichtig setze wir einen Fuß vor den anderen und testen die Trittfestigkeit. Der Blick nach oben verheißt Steine, Steine und noch mehr Steine. Der Weg wird immer schmaler. An manchen Stellen müssen wir uns mit den Händen abstützen. Nach ca. 2,5 Stunden erreichen wir die zweite Registrierstation. Hier muss man sich erneut eintragen und später beim Rückweg wieder austragen. „30 minutos mas – noch eine halbe Stunde“ sagt der Ranger. Die letzten 1,5 Km gehen nochmal richtig ans eingemachte, aber die Vorfreude auf den Anblick treibt uns voran. Wir passieren eine Kurve. Die Spannung steigt ins Unermessliche. Das Erste, was uns ins Auge fällt, ist die Lagune, deren türkisfarbenes Wasser jeder Beschreibung von Türkis spottet. Dies muss das vollkommene Türkis-blau sein. Mit einem Mal strömt eine totale Zufriedenheit durch unseren Körper. Ein Schild zeigt uns an, dass wir es geschafft habe. Mirador Cerro Castillo. Der Blick auf den schlossähnlichen Gipfel (daher der Name) und seinen Gletscher in Kombination mit dem vor ihm liegenden Gletschersee ist einzigartig.
Wir suchen uns einen windgeschütztes Felsplateau und genießen den Endorphin Ausstoß. Eine gigantische, tiefschwarze Wand liegt vor uns. Bedrohlich und faszinierend zugleich. Es gibt keinen passenderen Namen als „Castillo“ – die Burg, denn hier fehlen wirklich nur noch Feuer und umherfliegende Drachen. Ein Ort wie aus einem Fantasy-Roman. Imposante Wasserfälle rauschen hinab in die Laguna Castillo. Ein mächtiger Gletscher hängt wie gefangen in den Klauen am Rand des Berges. Für uns ist dieser Ort ebenso beeindruckend und tiefgängig wie die Türme des Cerro Torre im Torres del Paine Nationalpark.
Eine Stunde lang liegen wir hier, genieße diese Landschaft, den Moment, die Stille und versuche möglichst viel davon auf uns zu übertragen und zu konservieren. Danke für diese unvergessliche Begegnung, Cerro Castillo.
Der Abstieg ging etwas schneller, aber trotzdem schmerzten uns am Abend die Knie. Die ca. 15,1 km lang Wanderung, mit einem Höhenunterschied von 1.270 m haben wir letztlich in 6,5h bewältigt. Es hat Spaß gemacht und wir sind zutiefst beeindruckt von der unfassbar schönen Landschaft.
Abends haben wir uns vom Foodtruck ein leckeren Burger zum Abschluss eines perfekten Tages gegönnt. Satt, glücklich und erschöpft sind wir dann eingeschlafen.
Am nächsten Morgen ging es nun auf einer asphaltierten Carretera weiter - unser Auto freut sich, wir uns auch.
Next Stop ist Coyhaique - sie ist die größte Stadt an der Carretera Austral und liegt in einem fruchtbaren Tal mit eigenem Mikroklima. Angegeben wird aber auch die höchste Feinstaubbelastung von ganz Lateinamerikas. Wie kommt das ? 94 % der Bevölkerung benutzen Brennholz als Energiequelle zum Kochen und Heizen, Coyhaique liegt in einem Becken, so dass in den kalten Monaten eine Verteilung der Schadstoffe verhindert wird.
Wir machten nur ein kurzen Zwischenstopp, schlagen ein paar Schnäppchen im hiesigen Patagonia Shop und genießen sehr guten Cappuccino und leckeren Kuchen.
Bei der Recherche über den Ort, haben wir erfahren, dass der Mitbegründer der Outdoor-Firma The North Face, Douglas Tompkins, bei einem Kajak-Ausflug am Lago Carrera tödlich verunglückte. Der 72-Jährige war mit seinem Kajak und Freunden auf einem See gekentert. Ein Marineschiff hat alle sechs Kajakfahrer aufgenommen, und Tompkins ist mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus der Stadt Coyhaique gebracht worden.Tompkins Begleiter überlebten das Unglück, er verstarb leider an Unterkühlung.. Tompkins ist auf einem kleinen Friedhof der ehemaligen Schaffarm im Chacabuco-Tal begraben worden. Die Welt hat 08.12.2015 ein großen Umweltaktivisten und Öko Unternehmer verloren. Der von ihm gegründete Nationalpark Pumalin trägt seine Gedanken des Naturschutzes weiter.
Wir fahren weiter nach Puerto Aysén und wollten nach so vielen Bergen mal wieder Meer sehen. Leider hatte das Wetter nicht mitgespielt. Es war kalt, regnerisch und windig, so dass wir mit dem Blick auf die Wettervorhersage beschlossen, nur eine Nacht zu bleiben. Den kleinen Ort haben wir am Abend mit einem Spaziergang inspiziert und sind am kommenden Tag auf der Ruta 7 zum Queulat-Nationalpark gefahren. Der Queulat Nationalpark soll zu den schönsten Nationalparks in Chile gehören. Vor allem wegen seines gewaltigen Hängegletschers Ventisquero Colgante wollten wir den NP besuchen.
Entlang der Ruta passieren wir kleine Ortschaften. In Villa Maniguales erblicke ich von der Straße aus eine Rodeo Arena. Wir biegen auf das Vereinsgelände und ich fotografiere die in die Jahre gekommene Holzarena. Chilenisches Rodeo ist seit 1962 der offizielle Nationalsport in Chile. Er wird in allen Landesteilen, hauptsächlich aber in Zentralchile in extra dafür gebauten Arenen praktiziert. Plötzlich kommt ein Huaso (chilenischer Cowboy) in die Arena geritten. Die Pferde sind der ganze Stolz der Huaso und werden in der Ausbildung entsprechend trainiert und zur Perfektion getrieben. Das Rodeo ist für die Reiter dann die ersehnte Gelegenheit ihre Pferde und ihr Können vorzuführen. Ich zeigte dem Huaso mein Handy und frage ob ich Bilder von Ihm machen dürfe. Er lud mich ein in die Mitte der Arena zu kommen. Also öffnete ich das Holztor. Das erste was ich sah, war ein stattlicher Stier - ich machte erstmal zwei Schritte zurück. Der Reiter führte dann exklusiv für mich sein Können vor. Dabei wird der Stier an der Leine, vom Pferd und Reiter an der Arenawand entlanggeführt. Die Wettkämpfe - Rodeo Chileno basieren auf der täglichen Arbeit mit den Kühen, Reiter - die Collera - treiben einen Stier um eine Halbmondförmige Arena und stoppen ihn in einem vorgegebenen Platz indem ein Reiter den Stier gegen die Abpolsterung an der Wand drückt. Na ja nicht gerade mein Sport und mal abgesehen vom Tierschutz fragwürdig, aber die Zusammenarbeit und das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter war schon beeindruckend.Per Handschlag bedanke ich mich beim Reiter für diese unerwartete und sehr freundliche Begegnung.
Weiter ging es - bis wir im Auto laute Musik von draußen hörten…ein Dorffest. Also Vollbremsung, Parkplatz suchen und auf gehts. Es gab einige Essens-, Getränke- und Verkaufsstände, eine verwaiste Hüpfburg und eine Holzbühne, auf der chilenische Musiker spielten. Viele Leute standen um einen einen mit Holzbänken eingezäunten Platz an deren Ende viele junge Pferde auf einer Koppel standen. Schnell wurde uns klar, dass hier die Hauptattraktion das Pferdereiten oder besser gesagt, sich auf dem Pferd halten war. Wir beobachten die Leute die sich in Ihren traditionellen Hemden, Mützen oder Tücher gekleidet hatten. Alle warteten auf den ersten Ritt. Ohne Sattel, ohne Steigbügel….ganz traditionell versuchten sich die jungen Männer ein paar Sekunden auf dem Rücken der Pferde zu halten. Die Reiter wurden bejubelt und gefeiert. Jeder Ritt wurde lautstark vom Moderator kommentiert und zwischendurch gab es wieder chilenische Volksmusik. Neben dem sportlichen Spektakel (ein Pferd ist übrigens durchgegangen und hat Zäune niedergerissen und auch einen Zuschauer verletzt) sind vor allem die hausgemachten Leckerein erwähnenswert. Drei ältere Frauen haben in einer Seelenruhe leckere gefüllten Teigtaschen hergestellt. Wir mussten 40min auf unsere Bestellung warten, aber es hat sich gelohnt - 5 von 5 Sternen an die super freundlichen Damen vom Empanada Stand.
Vg…die Bornis nächstes ziel: Chaitén und Insel Chiloé
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