Puerto Tranquilo | Chile | Donnerstag - 13.02.2025 - 14:54 - GOOGLE MAPS
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Natur die Glücklich macht und Straßen zum verzweifelnVon Los Antiguos fahren wir die paar Kilometer über die Grenze nach Chile Chico. Wir haben Glück, da der Genzübergang am Morgen nicht so stark frequentiert ist. Auf Argentinischer Seite geht die Ausreiseprozedur recht schnell. Wir fahren wieder ein paar Kilometer durchs Niemandsland und müssen nun den Einreiseprozess inkl. Zollprüfung überstehen. Online füllen wir Dokumente aus, Pässe werden geprüft und dann geht es zum Zoll. Ich fahre mit dem Camper zu einen langen Tisch, auf den wir alle unsere Lebensmittel rauflegen mussten. Drei Beamte fingen im Wagen und unsere Sachen nach verbotenen Gegenständen zu filzen. Selbst die Motorhaube musste ich offnen - es könnte ja sein, dass wir Lebensmittel in dem total verstaubten Motorraum schmuggeln. Freundlich aber bestimmt machen die Zöllner Ihre Arbeit. Bis es dann hieß: „Okay“ Wir packen schnell alles wieder zusammen und unsere „Ordnung“ ist wieder hergestellt.
In Chile Chico haben wir Lebensmittel aufgefüllt, unsere SIM Katen aufgeladen (alle 30 Tage notwendig) und bei der Touristeninformation Kartenmaterial für den nördlichen Teil von Patagonien besorgt. Wir starten in Chile Chico auf asphaltierte Straße, welche gleich am Ortsausgang zu einer schlechten Schotterstraße wird. Die Ruta 265 am Ufer des Lago General Carrera (in Argentinien heißt der See - Lago Buenos Aires) geht auf und ab, mit vielen Schlaglöchern, gefährlichen und ungesicherten Kurven. Bei jedem Gegenverkehr verschwindet die schlechte Schotterpiste in einer großen Staubwolke.
ABER - die Ruta 265 entlang des südlichen Ufers ist für uns eine der schönsten Routen in Patagonien. Der See liegt eingebettet zwischen hoch aufragenden Felsmassiven. Die Farbe von Südamerikas zweitgrößtem See variiert zwischen Kobaltblau und Türkis. Das kristallklares Wasser spiegelt die majestätischen Andengipfel wieder und schafft einen unvergessliche Anblick. Mit einer Gesamtfläche von 1850 km², gehört dieser See zum größten See im chilenischen Gebiet und zum zweitgrößten in Argentinien. Er ist auch der zweitgrößte See von Südamerika, nach dem Titicacasee.
Nach rund 115km Buckelpiste auf der Ruta 265 erreichen wir am Ende des Lago General Carrera die Ruta 7, die legendäre Carretera Austral.
Die Carretera Austral (offizielle Bezeichnung Ruta CH-7) ist eine rund 1350 Kilometer lange Straße und hat den Status einer nationalen Längsachse. Der Bau der Straße ist noch nicht vollendet, so dass uns weitere Fahrabenteuer bevorstehen.
Am Anfang bietet die Strecke entlang des Rio Baker wieder geniale Aussichten über den türkisfarbenen Fluss. Einen Stopp legen wir beim Zusammenfluss der beiden Flüsse Rio Baker und Rio Nef ein. Vom Parkplatz ist es eine kurze Wanderung entlang des Sendero Confluencia bis zum Zusammenfluss. Interessant ist zu sehen, wie sich das Wasser der beiden Flüsse vermischt. Das Wasser des Rio Baker ist türkisfarben und das des kleineren Rio Nef braun. Beim Zusammenfluss bilden sich Wirbel und erst nach einigen Metern vermischt sich das Wasser komplett. Wir fahren weiter bis nach Cochrane und kommen am Südlichen Eingang vom Patagonia Nationalpark vorbei. Der Patagonia-Park ist eines von mehreren privaten Schutzgebieten, die das Ehepaar Tompkins in Südamerika geschaffen hat.
Über Jahrzehnte hinweg haben sich Douglas Tompkins (1943-2015), Mitbegründer der Marken The North Face und Esprit, und Kris Tompkins (1950), ehemalige CEO der Marke Patagonia, für den Naturschutz eingesetzt und große Teile wilder Landschaften Patagoniens im südlichen Chile und Argentinien aufgekauft und in Nationalparks umgewandelt. Über 800.000 ha Land – ein Millioneninvestition, die einer der größten Landspenden an Chile und Argentinien nach sich zog.
Das Ehepaar Tompkins hat in den letzten 20 Jahren in Südamerika für rund 250 Mio. Dollar insgesamt 11 Naturparks geschaffen. Einen Teil davon haben sie der chilenischen Regierung als Naturreservate zurückgegeben.
Wir kommen am Abend in Cochrane an und finden auf einem kommunenartigen Hinterhof einen Stellplatz für die Nacht. Hunde, Katzen, Hühner liefen kreuz und quer über den Hof, aus der Küchenbaracke kamen lecker riechende Rauchschwarten vom Grill heraus und es wurde getanzt und gesungen. Wir standen sehr zentral im Hinterhof, so dass wir die volle Geräuschkulisse mitbekamen. Glücklicherweise verkrochen sich die meisten Leute, mit den sinkenden Temperaturen, in Ihre Zelte.
Am nächsten Tag haben wir eine schöne Wanderung im Patagonia Nationalpark gemacht. Der Wind war wiedermal unser Begleiter. Herrliche Aussichten auf den riesigen Grenzsee Cochrane Lake (chilenischer Name) / Pueyrredón Lake (Argentinischer Name), welche in ein unglaublich schönes Bergmassiv eingebettet ist, eröffneten sich uns immer wieder. Die Wanderung war fantastisch und wir haben die Glücksmomente gut abgespeichert. Nach der Wanderung haben wir uns für die Rückfahrt auf der Carretera Austral entschieden. Somit führen wir ab diesen Zeitpunkt nur noch nordwärts auf der Carretera. Die Buckelpiste verlangte meine volle Konzentration und fahrerisches Können. Wir wollten schließlich noch bis nach Puerto Rio Tranquilo an diesem Tag kommen. Das touristische Highlight in Puerto Tranquilo sind die Marmorhöhlen. Hier befindet sich ein außergewöhnliches patagonisches Highlight, welches es sogar auf den Bildschirmschoner von Windows geschafft hat. Die Marmorhöhlen in der Region Aysén gehören zu einem der außergewöhnlichsten Naturwunder dieser Erde. Über mehr als 6.000 Jahre hinweg haben die wilden Strömungen des Sees Lago General ein Meisterwerk aus Stein, Farbe und Licht geschaffen. Das wollten wir uns mit eigenen Augen ansehen.
Am Abend kamen wir dann schließlich etwas kaputt in Puerto Tranquilo an. Wir checkten auf einem Campingplatz ein und konnten dort für den kommenden Morgen eine Bootsfahrt zu den Marmorhöhlen buchen. Der Ort ist ein entspanntes Plätzchen mit einer handvoll Restaurants und staubigen Straßen. Die Lage am See in der Nähe der Höhlen und zum San Rafael-Gletscher macht ihn zu einem beliebten Reiseziel.
Am nächsten Morgen stehen wir führ auf, da die Tour zu den Capillas del Marmol um 7:50 Uhr starten soll. Am Strand angekommen treffen sich die einzelnen Bootsausflugsanbieter und deren Mitfahrer. Es herrscht schon reger Betrieb bei den Booten. Touristen warten ungeduldig und frierend auf das Startsignal. Endlich erhalten wir unsere Sicherheitswesten und nehmen in dem kleinen Boot mit Außenborder Platz. Wir rasen über den See zur Isla Panichini. Dort liegt in einer Bucht eine altes Versorgungsschiff aus den sechziger Jahren auf Grund und bietet mit dem türkisfarbenem Wasser, eine schöne Fotokulisse.
Die aufgehende Sonne taucht die Berge und den See in ein zauberhaftes rot-gelbes Licht. Die Fahrt geht dann ca. 15 Minuten weiter und die Vorfreude auf die sagenumwobenen Höhle steigt. Wir erreichen die größte Attraktion des Sees, welcher übrigens 3 mal größer als der Bodensee ist. Die als Catedral de Mármol, Capilla de Mármol und Cavernas de Mármol bekannten, bizarren Marmorformationen und Marmorhöhlen werden von uns bestaunt und zur genüge fotografiert.
Diese bestehen aus einer Reihe von Höhlen, die vom Wasser des Sees in dem Bereich erodiert wurden. Es gibt zwei Hauptbereiche: Der touristisch bekannteste befindet sich am Puntilla El Mármol, um den herum sich die Hauptinseln befinden, aus denen die “Kathedrale” und die “Kapelle” hervorgegangen sind; der zweite befindet sich auf der Insel Panichini, in der Nähe von Puerto Sánchez, und den nahegelegenen kleinen Inseln. Die der Erosion ausgesetzten Gesteine bestehen aus Marmor, der zum metamorphen Fundament der Region gehört und aus dem Paläozoikum stammt (dies entspricht einem Alter von 300 Millionen Jahren). Die Marmore weisen bänderartige Schichtungen auf, die aus verschiedenfarbigem Gestein bestehen, das auf komplexe Weise gefaltet zu sein scheint. Obwohl Weiß die vorherrschende Farbe ist, ist es an manchen Stellen möglich, Blau- und Rosatöne auszumachen. Diese Farbgebung ist auf mineralische Verunreinigungen zurückzuführen.
Man schätzt, dass der Bereich mehr als 5000 Millionen Tonnen Marmor mit einem Calciumcarbonatgehalt von 94% aufweist. Die Entstehung von Höhlen (cavernas) geht auf ein neueres Karstphänomen zurück, das vor 15.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit auftrat. Die Erosionswirkung des Seewassers löste die Felsen förmlich auf und ließ die heute existierenden Klippen und Marmorinseln entstehen.
Das Himmelblau des Wassers an dieser Stelle ist dessen Klarheit und dem hellen Untergrund zu verdanken.
Was für ein einzigartiger Anblick für den wir sehr dankbar sind.
Aber so ist das in Patagonien. Man bereist hier eine Region, die der Mensch nicht im Griff hat, die Reisende oft an ihre Grenzen bringt, gleichzeitig aber mit unfassbarer Natur aufwartet und glücklich macht.
Vg…die Bornis nächstes ziel: Coyhaique - entlang der Carretera Austral
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Los Antiguos | Argentinien | Montag - 10.02.2025 - 01:53 - GOOGLE MAPS
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Argentinische Gletscher, beeindruckende Bergmassive und eine legendäre Ruta 40Wir fahren zurück nach Puerto Natales, tanken und kaufen erneut Proviant ein und fahren anschließend die Ruta 250 bis nach Dorotea. Dort befindet sich der Grenzübergang. Erst müssen wir bei den chilenischen Beamten unsere Pässe vorzeigen und dann beim chilenischen Zoll weiter Reisedokumente vorzeigen. Da der Grenzübergang recht klein ist dauert diese Prozedur nur 20 min. Die Ausreise war schonmal problemlos. Anschließend fahren wir durch Niemandsland zur argentinischen Grenzstation. Dort erfolgt in einer abgeranzten Hütte der gleiche Vorgang. Auch hier verläuft alles problemlos, so dass wir uns nun für die nächsten Tage auf der argentinischen Seite von Patagonien nordwärts fortbewegen werden. Das erste Abenteuer lässt nicht lange auf sich warten - die Ruta 40. Ein paar Kilometer nach Río Turbio gelangen wir dann auf Argentiniens schönste Route in die Einsamkeit.
Mit ihren 5.300 km ist sie die längste Nationalstraße Argentiniens: die legendäre „Cuarenta“ (Vierzig). Dem Verlauf der Anden folgend führt sie durch sämtliche Klima- und Höhenzonen, die das Land von Nord nach Süd zu bieten hat. Sie ist ohne Zweifel eine Strecke der Superlativen: Als eine der längsten Fernstraßen weltweit findet sich hier auf unglaublichen 4.895 m auch der höchste befahrbare Pass unseres Planeten.
Von den hohen Bergen der Anden, vorbei an den endlosen Steppenlandschaften der Pampa, durchquert man das wilde Patagonien, bis sie schließlich den Atlantik erreicht… Eine Fahrt auf der „Endlosen Schotterpiste“ ist ein unvergessliches Highlight für Abenteurer aber auch anstrengend, wie wir erfahren durften.
Wir fahren nordwärts und sind sofort gefesselt von der Weite, welche nur schwer fassbar ist. Manchmal begegnet uns eine Stunde lang nicht ein einziges Fahrzeug. Für hunderte von Kilometern kein Haus, keine Tankstelle !!!, kein Handy-oder Internetempfang. Einfach nichts. Einzig der extrem starke Wind ist unser treuer Begleiter. Manchmal schaffe ich es gerade so die Autotür aufzudrücken, um ein Foto von der Weite zu machen. Was uns vorher keiner sagte, dass die Ruta oft nicht asphaltiert ist. Sand, tiefer Schotter, Waschbrettpiste, absolut einsame Abschnitte, wenig Infrastruktur, extremer Wind und nicht leicht zu fahren. Aber trotzdem oder gerade deswegen ein absolutes unvergessliches Abendteuer für uns und auch für unseren Camper. Ein Wort noch zur Region.
Santa Cruz ist die am dünnsten besiedelte Provinz Argentiniens. Die Bevölkerung konzentriert sich in wenigen städtischen Ansiedlungen. Weite Teile sind fast unbewohnt. Auf rund 250.000qkm leben gerade mal 270.000 Menschen, was eine Bevölkerungsdichte von 1,1 qkm ausmacht. Nun versteht man auch die Einsamkeit besser.
Unser Ziel ist der Nationalpark Los Glaciares in der Nähe von El Calafate.
Der Nationalpark liegt im argentinischen Teil Patagoniens. Er bedeckt eine Fläche von 4459 km² und wurde von der UNESCO 1981 in die Welterbeliste aufgenommen. Der Nationalpark besteht neben einigen kleineren Gletschern im Wesentlichen aus den drei großen Gletschern Perito-Moreno-Gletscher, Upsala-Gletscher und Viedma-Gletscher. Diese münden in zwei Seen, den Lago Argentino und den Lago Viedma, die jedoch nur teilweise innerhalb des Nationalparks liegen.
Wir erreichen den sehr touristischen und menschenvollen Ort El Calafate am Nachmittag. In vielen Reiseführern und Berichten wird El Calafate als eine unattraktive Stadt beschrieben. Diesem können wir uns, zumindest was das Zentrum dieses Ortes angeht, nicht anschließen. Vielmehr haben wir eine sehr gepflegte Innenstadt mit vielen Geschäften, vielen Hunden, Grünflächen und einem ansprechenden Straßenbild vorgefunden.
Entlang der Av. de Libertador, der Hauptstraße durch den Ort, reihen sich die Lokale und Geschäfte aneinander. Wir probieren an drei Banken argentinische Pesos abzuheben abzuheben - ohne Erfolg. Wahrscheinlich ist Bargeld derzeitig rar. Zum Glück können wir auf dem Campingplatz mit chilenischen Pesos bezahlen - natürlich zum schlechteren Kurs, aber das war uns egal. Wir haben uns führ einen frühen Start am nächsten Tag entschieden, da jeder Tourist in der Stadt in den spektakulären NP will. Busweise werden die Leute dort hineingebracht, da macht der frühe Vogel schon Sinn.
Also starten wir nach einem kurzen Frühstück und rasen auf der Ruta 21 dem Parkeingang entgegen. Dort angekommen, ist noch ein entspanntes abkassieren. Wir mussten für uns beide rund 100€ Tageseintritt bezahlen. Vor ein paar Jahren betrug der Eintritt noch vertretbare 23€ p.P. Scheinbar sollen die Touristen die wirtschaftliche Schieflache des Landes schnell wieder richten. Da dies alternativlos war, zahlten wir und sind die letzten 20km mit voller Erwartung auf den wunderschönen Perito-Moreno-Gletscher gefahren. Endlich war es so weit. Wir erblicken von gut angelegten Aussichtswegen den gigantischen Gletscher.
Der Perito-Moreno-Gletscher ist einer der größten Auslassgletscher des Südlichen Patagonischen Eisfeldes, des größten Gletschergebietes der südamerikanischen Anden, sowie einer der markantesten und auch bekanntesten Gletscher Patagoniens. Er schiebt sich durch einen schmalen Auslass der Anden in den Lago Argentino, den größten See Argentiniens. Dabei durchquert die Gletscherzunge den See von einem Ufer zum Anderen über eine Länge von mehr als 2 km. Oberhalb der Wasserlinie ist eine imposante Front 55-70 m hohen Eises sichtbar, doch bekanntermaßen schlummert der wesentliche Teil eines Eisberges unterhalb der Oberfläche. Trotz des bis zu 160m tiefen Sees schwimmt der Gletscher an keiner Stelle und fungiert so wie eine natürliche Staumauer.
Dabei wird ein Teil des Sees über mehrere Jahre angestaut und der Wasserspiegel steigt in diesem Teil um bis zu 10 m. Wird der Wasserdruck zu groß, durchbricht er das Gletschereis, so dass sich der See periodisch ausgleichen kann.
Ein wahres Spektakel ist auch die Geräuschkulisse. Denn während unserem gesamten Besuches kracht und knackt es quasi ununterbrochen. Immer wieder gibt es einen lauten Donner und es lösen sich Teile des Gletschers von der Zunge ab und fallen mit lautem Getöse ins Wasser – der Gletscher kalbt. Für eine Weile setze wir uns an der Südplattform hin und beobachte das Treiben. Zu einem Zeitpunkt haben wir Glück und es bricht eine Flanke des Gletschers ab und fällt der Länge nach in den Lago Argentino - was für ein beeindruckendes Schauspiel. Wir konnten zum Teil das Spektakel per Video festhalten. Das war ein Gänsehaut Moment und wir strahlen übers ganze Gesicht. Ich mache wiedermal viel zu viele Bilder ,aber ich kann mich an der Gletscherwand nicht satt sehen.
Als Wunder wird der Perito Moreno Gletscher oft bezeichnet, weil er noch wächst. Das ist aber kein Wunder, sondern ein Märchen. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern in Argentinien und Chile, die rasant zurückgehen, befindet sich der Perito Moreno Gletscher im Gleichgewicht. Befindet? Befand? Wir hoffen nur, dass dieses Naturwunder lange bestehen bleibt und sich noch viele Leute an dem Anblick erfreuen können.
Am späten Nachmittag fahren wir noch weiter bis nach El Chalten, was 215 km von El Calafate entfernt liegt. Wir benötigen ca. 3 Stunden für diese Strecke. Die Wolken hängen sehr tief und es fängt kurz vor dem Ziel an zu regnen. Wir nutzen die Gelegenheit und tanken noch kurz vor dem Campingplatz. El Chaltén ist ein kleiner Ort mit nur 1.600 Einwohnern. Er wurde erst 1985 gegründet und dient ausschließlich dem Tourismus, da von dort einige der berühmtesten Wanderungen in Patagonien starten. Leider macht sich das auch in den Preisen bemerkbar (Campingplatz 33€ pro Nacht). Erklären lässt sich das mit der Abgeschiedenheit und Alternativlosigkeit, denn wer beispielsweise die Wanderung zum Fitz Roy machen möchte, kann das nur ab El Chaltén tun. Der kleine Ort liegt in den Ausläufern der Bergkette, in der sich der Fitz Roy befindet und bietet bei klarer Sicht einen atemberaubenden Blick darauf. El Chaltén besteht nur aus einigen wenigen Straßen, sodass man den gesamten Ort gut zu Fuß erkunden kann. Obwohl er so abgelegen liegt, gibt es eine sehr gut ausgebaute touristische Infrastruktur mit vielen Unterkünften, Restaurants und Cafés und kleinen Supermärkten und sogar Massage- und Spa-Angeboten sowie Bioläden.
Als wir im beschaulichen Örtchen El Chalten angekommen sind, wird der Regen so langsam zu Schnee. Dicke Schneeflocken fallen runter und machen den ganzen Campingplatz zu einem Minisee. Fast alle Zelter halten sich verständlicher Weise im Aufenthaltsraum/ Küche auf. Laute Gespräche gepaart mit leckeren Düften aus der Küche lassen uns den Abend dort verbringen. Als wir in unseren Camper gehen, um die Nachtruhe anzutreten, kam das böse Erwachen.
Wir hatten ein Wassereinbruch. Die Matratze war nass und auch Teile unserer Sachen. Bei Dauerschnee/ Regen versuche ich die undichte Stelle zu lokalisieren. Auf dem Dach sind von der Innenverkleidung Schraubenköpfe sichtbar. Ich versuche diese provisorisch Abzudichten und zum Glück hört der Niederschlag auf. Wir quetschen uns auf eine Matratzenhälfte und ich setze vorher noch ein paar Nachrichten an unseren netten Campervermieter ab. Nach einer sehr kühlen und kurzen Nacht habe ich mich mit dem Vermieter geeinigt. Er bringt uns einen neuen Camper nach Argentinien (bedeute für Ihn 8h Fahrt oneway) und nimmt den undichten Camper wieder mit.
Wir nutzen den Tag - welcher übrigens total sonnig, windstill und traumhaft ist - um in dem atemberaubend schöne Bergmassiv zu wandern.
Typisch für Patagonien ist das dauerhaft unbeständige und windige Wetter mit einem schnellen Wechsel von Sonne und kräftigen Schauern. Das erschwert eine Wettervorhersage dort enorm und wir nehmen dankbar den sonnigen Tag an.
Wir starten zur einer halbtägigen Tour mit mittlerem Schwierigkeitsgrad. Am Ortsausgang steht ein Häuschen mit einer langen Menschenschlage davor. Wir erfahren, dass der Wanderweg, welcher von ein paar Jahren noch kostenlos war, nun plötzlich auch 45€ p.P. Kosten soll. Wir machen dicke Backen, aber entscheiden uns mit einem bitteren Beigeschmack, den Preis zu zahlen. Als wir an der Reihe sind, fraget uns der Nationalpark Mitarbeiter ob wir schon den Perito Moreno Gletscher besucht hätten. Wir bejahen dies und prompt gab es 50% Rabatt. Wir waren sehr verdattert und reichten schnell die Kreditkarte rüber. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass die Preise unverschämt, ungerechtfertigt und auch ein bisschen willkürlich sind. Es kontrollierte keiner unser Ticket und wären wir einfach an einer anderen Stelle gestartet, hätte das auch keiner mitbekommen. Aber ehrlich wie wir nun mal sind, helfen wir „gerne“ dem Land in der Krise.
Unser Ziel war die Laguna Capri mit Blick auf den Fitz Roy. Hier reiht sich ein schönes Bergmassiv an das andere. Der Star hier ist aber der 3406 Meter hohe Granitberg - Fitz Roy. Das spektakuläre Massiv, ist bei Extrem-Bergsteigern weltbekannt für seine tückischen Eiswände, unberechenbaren Winde und ständig wechselndem Wetter. Auf den zahlreichen Wanderwegen des Nationalparks Los Glaciares lässt sich auch schwindel- und risikofrei die spektakuläre Bergkulisse des Eisriesen erkunden. Wir starteten also die harmlose Wanderung von 9 km mit einem Höhenunterschied von 800m. Es stieg stetig an und die Sonne verwöhnte uns nach dieser kalten, nassen Nacht.
Der Blick hinunter zum Fluss und ins Tal war großartig - fast schon kitschig schön.
Nach 2 Stunden erreichten wir Laguna Capri. Der Anblick war gigantisch. Der See ist auf einer Seite von Bergen mit riesigen Schneemengen umgeben und offenbart eine wunderbare Aussicht auf den Fitz Roy. Wir hatten an der Lagune ein kleines Picknick und genossen die Ruhe. Nach einem ausgiebigen Sonnenbaden machten wir uns auf den Weg zum Mirador. Nach kurzer Zeit erreichten wir diesen und können uns wieder nicht sattsehen. Leider waren die Wege durch den gestrigen Dauerregen und Schneefall matschig und sehr rutschig. Wir beenden unseren Rundgang am Fitz Roy mit einem schönen Blick auf die bunten Häuser von El Chalten. Da wir noch Zeit bis zum Camperwechselt hatten, kehrten wir in ein Café ein. Beim bezahlen merken wir schnell die Exklusivität des Ortes.
In der lokalen Bevölkerung regt sich lautstarker Protest gegen die neu eingeführten Eintrittsgelder. Unter dem Motto „Montañas libres“ (Freie Berge) und dem Hashtag #NoAlCobro fordern Einheimische aus El Chaltén, dass die Wanderwege kostenlos bleiben beziehungsweise wieder werden. Sie fürchten, dass Touristen durch die hohen Preise abgeschreckt werden und erst gar nicht nach El Chaltén reisen oder nur kürzer bleiben – was für Hotelbetreiber, Restaurantbesitzer und Co. vor Ort natürlich einen enormen finanziellen Verlust bedeuten würde. Und das ist ebenfalls ein Problem: Man kann wohl leider davon ausgehen, dass von den hohen Eintrittsgeldern bei der lokalen Bevölkerung, die unter der Wirtschaftskrise in Argentinien enorm leidet, nichts ankommt.
Am Campingplatz angekommen erwarten wir unseren Vermieter Sergio. Dieser kommt gegen 18:30 Uhr nach eine 8h Fahrt von Punta Arenas an. Unser neuer Camper ist ein VW Caddy Max - Diesel!!!! Der Neue ist geräumiger, lässt sich besser fahren und ist ein VW - also nicht ganz unbekannt.
Wir wechseln so schnell es geht alle Sachen. Da wir ja eine kalte und nasse Nacht hinter uns hatten, brachte Sergio noch zusätzliche Kuscheldecken mit. Wir können uns also nicht über das Arrangement unseres Vermieter beschweren. Wir klären noch schnell den Papierkram und schon macht sich unser Vermieter auf den Rückweg. Die fehlenden Dokumente, würde er mir per WhatsApp zusenden. Also nur noch ausdrucken und schon wäre alles in Ordnung mit dem Fahrzeugwechsel.
Die erste Nacht im VW und die letzte in El Chalten war sehr gut. Aufgrund der treueren Eintrittspreise haben wir uns entschlossen, den ersten befahrbaren Grenzübergang nach El Chalten anzusteuern, um uns die preiswerteren patagonischen Nationalparks auf der chilenischen Seite anzusehen. Somit hatten wir ein 750 km Road Trip auf der legendären Ruta 40 vor uns. Vor dem langen Weg zurück nach Chile, prüfen wir den Caddy auf seine Geländetauglichkeit. Wir fahren zu einem Genzsee, ca. 37 km nur Gravel Road von der Marke besonders schwer befahrbar. Langsam ruckeln wir im Tal entlang, machen viele Fotos von der Landschaft, sehen die Rückseite vom Fitz Roy und kommen schließlich gegen Mittag am Lago del Desierto an. Der Lago del Desierto erstreckt sich über 15 Kilometer und wird von Gletschern (wie dem Vespignani-Gletscher) gespeist, die von den umliegenden Gipfeln herunterkommen. Das kristallklare Wasser des Sees reflektiert die atemberaubende Landschaft. Umgeben von üppigen Wäldern und hoch aufragenden Bergen, bietet dieser Gletschersee Besuchern eine perfekte Mischung aus natürlicher Schönheit und Ruhe. Wir spazieren am Ufer entlang, genießen den Augenblick. Den ersten Test einer fast unbefahrbaren Strasse hat unser VW bestanden, so dass wir uns nun auf den Weg nach Los Antiguos machten. Unser Diesel hat eine Reichweite von ca. 950 km, somit ist ein entspannteres Fahren möglich.
Unser Tagesziel war das Dorf Gobernador Gregores (mitten in der Pampa) mit seiner YPF Tankstelle. Die Tankstelle scheint ein Treffpunkt zu sein. Viele Motoradfahrer essen dort leckerer Empanadas und nutzen wie wir das kostenfreie w-lan vor Ort.
Wir parken auf dem dazugehörigen Stellplatz neben zwei Schweizern mit Ihrem mitgebrachten Camping Land Cruiser.
Die Nacht war ruhig und am nächsten Morgen hatten wir mit den Schweizer Eidgenossen noch einen netten Frühstücksplausch.
Sie sind von Norden nach Süden unterwegs und haben von einem Puma am Wegesrand berichtet. Also achten wir nicht nur auf die angekündigten Schlaglöcher, sondern auch auf eine tote Katze am Straßenrand.
Wir düsen also los und es dauerte nicht lange, dass die Ruta 40 eigentlich nur noch aus Schlaglöchern bestehend vor uns lag. Die Löcher waren so tief und dicht, dass man bei jedem entgegenkommenden Auto dachte, dass der Fahrer strak betrunken ist. Schlangenlinien fahren war nun für viele Kilometer angesagt. Zum Glück war die Ruta nicht stark befahren, so dass wir die ganze Straßen- und später Schotterpistenbreite ausnutzen. Abrupte Lenk- bzw. Ausweichmanöver waren die nächsten 120km normal. Ach ja, die Katze haben wir auch gesehen und haben nun ein Vorstellung, wie groß so ein Puma eigentlich werden kann. Rechts und links des Weges waren Zäune aufgestellt. Diese hatten eine Höhe von ca. 1m. Da der oberste Draht leider ein Stacheldraht war, haben wir einige verendete Guanakos am Zaun hängen gesehen. Vielleicht war das auch der Grund, warum ein Puma sich in der Nähe einer Straße aufhält.
Als positive Erinnerung bleibt die Begegnung mit dem Gürteltier auf und neben der Ruta 40. Schon von weiten haben wir das Gürteltier beim überqueren der Straße gesehen. Eine Vollbremsung, der Griff zu Handy und schnell - trotz des bereits beschriebenen straken Windes - die Tür aufgerissen und die Verfolgung aufgenommen. Man glaubt gar nicht, wie schnell diese Tiere mit Ihren kleinen Beinen rennen können. Das Gürteltier gönnte uns eine kurze Verschnaufpause, in der ich glücklicherweise ein paar Fotos machen konnte. Danach versuchte es immer wieder mit kurzen Sprinteinlagen hinter den Stacheldrahtzaun zu gelangen. Nach einer Weile, habe ich das Katz und Maus Spiel ohne ein weiters Bild gemacht zu haben, aufgegeben. Bin aber trotzdem happy über die 3 Bilder und stark beeindruckt vom Schnellläufer Gürteltier.
Die Fahrt auf der Ruta 40 ist für das Auto und für uns schon anstrengend. Einerseits ist man von der Landschaft fasziniert, andererseits darf man keine Sekunde den löchrigen Weg aus den Augen lassen. Manchmal war auch das Ausweichmanöver zu spät, so dass Fahrwerk, Stoßdämpfer und Karosserie Schwerstarbeit leisten mussten. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass der Weg auf der chilenischen Seite, noch schlechter werden wird.
Irgendwann erreichten wir den argentinischen Grenzort Los Antiguos.
Diese Kleinstadt hat rund 2.000 Einwohnern und liegt am Südufer des 1.850 km² großen argentinisch-chilenischen Grenzsees Lago Buenos Aires, des zweitgrößten Sees in den Anden nach dem Titicacasee. Auf der chilenischer Seite liegt der Grenzort Chile Chico - welcher der einzige Ort in Chile auf der östlichen Seite der Anden ist.
Das Tal, in dem Los Antiguos liegt, hat ein für Patagonien mildes Mikroklima, daher können hier Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Äpfel kultiviert werden. Da vor allem Kirschbäume dominieren, gilt Los Antiguos als Hauptstadt des argentinischen Kirschanbaus.
Am nächsten Tag soll es zurück nach Chile gehen. Wir essen unser Obst und Müsli auf, denn hier es gibt ein sehr strenges Einfuhrverbot von Nahrungsmittel, Pflanzen und weiteren Produken nach Chile. Na hoffentlich geht alles gut.
VG die Borni nächstes ziel: Chile - Carretera Austral - Ruta 7
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Torres del Paine | Chile | Donnerstag - 06.02.2025 - 13:37 - GOOGLE MAPS
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Torres del PaineDer Nationalpark Torres del Paine ist einer der bekanntesten Nationalparks in Chile, gelegen im Süden des Landes um die Berggruppe der Cordillera del Paine. Paine heißt in der Sprache der Tehuelche-Indianer „himmelblau“, Torres del Paine also „Türme des blauen Himmels“.Wir planen 4-5 Tage im Torres del Paine zu verbringen und da es keine Versorgungsmöglichkeiten gibt, hatten wir uns in Puerto Natales eingedeckt. Auf der Ruta Y-290 fahren wir bis kurz vor den Eingang Serrano, wo sich eine der Ranger Stationen befindet. Bevor wir jedoch in den Nationalpark fahren, campen wir noch eine Nacht am Rio Serrano, wo wir auf einem wunderbarer Platz die Nacht zu verbrachten.
Am nächsten Morgen, es war bewölkt und diesig, fuhren wir zum Serrano Parkeingang, zeigten unser Ticket vor und fuhren in den NP. Die Strassen hier sind unbefestigt und staubig. Als erstes fahren wir zum Visitor Center, wo sich auch das administrative Hauptquartier des Nationalparks befindet. Auf dem Parkplatz können wir kostenlos stehen, was wir für die erste Nacht in Erwägung ziehen. Es ist noch früh und so fahren wir weiter zum Lago Grey, der sich 17 km vom Visitor Center befindet.
Die kurze Wanderung zum Lago Grey und dem Lookout ist perfekt sich etwas einzulaufen. Wir parken auf dem grossen Parkplatz und schnüren unsere Wanderschuhe. Der Wanderweg startet bei der Grey Ranger Station, wo wir zuerst den Grey River über eine Hängebrücke überqueren. Vor uns sehen wir bereits den Grey Lake. Unser Ziel ist die Isla de los Hielos. Gemütlich spazieren wir am Strand entlang, sehen die ersten Anden Kondore und finden am Ende des Strandes einen Pfad, der auf die Insel führt. Nach einer Viertelstunde und ordentlichen Gegenwind erreichen wir den Lookout und schauen direkt auf den Grey Gletscher. Wir machen eine Pause und geniessen die Aussicht. Dabei beobachten wir in der Ferne, wie majestätisch die Andenkondore durch die Luft gleiten, welcher aufgrund seiner herausragenden Größe unverwechselbar ist. Er ist ein mächtiger, massiger, für einen Neuweltgeier relativ kurzbeiniger Vogel mit lang gefingerten, brettartigen Flügeln, die im Gleitflug annähernd waagrecht gehalten werden. Gesichert sind Spannweiten sehr großer Männchen bis 310 Zentimetern und ein Gewicht bis zu 15 Kilogramm.
Nach diesem kleineren Ausflug fahren wir zurück zum Parkplatz am Toro Lake beim Visitor Center. Dort ist es erlaubt kostenlos zu stehen. Toiletten und Trinkwasser sind vorhanden.
Am nächsten Morgen starten wir führ, da wir die 24 km Tageswanderung zum Grey Gletscher absolvieren wollen.
Er liegt am Rande des Campo de Hielo Patagónico Sur, dem südlichen patagonischen Eisfeld, welches die größte Eiskappe der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis ist. Von diesem Eisfeld aus kalbt er mit drei getrennten Gletscherzungen in den bis zum 500 Meter tiefen Gletscherrandsee Lago Grey.
Bei dem Grey Gletscher handelt es sich um einen sogenannten Auslassgletscher, d.h. er ist – aufgrund diverser Faktoren, wie Struktur des Eises, Hangneigung und Schubspannung – in der Lage sich selbstständig fortzubewegen.
Der Startpunkt ist für diese Tour das Refugio Paine Grande. Dafür nehmen wir den Katamaran um 08:45 Uhr, um den See zu überqueren. Das Refugio Paine Grande ist der Ort, an dem uns das Boot absetzt hat. Von hier bis zum Refugio Glaciar Grey, einem der besten Aussichtspunkte auf den Gletscher, sind wir 12 Kilometer in eine Richtung gelaufen und 12km zurück. Die Entfernung und die begrenzte Zeit sind eine ziemliche Herausforderung (letzte Bootsrückfahrt 18:00 Uhr), weil das Profil des Weges ständig auf und ab geht. Auf der Wanderung spüren wir die Kräfte der Natur, für die Patagonien ebenfalls berühmt ist. An der Westseite der Torres del Paine sind wir Stürmen, die vom Pazifischen Ozean über das Patagonische Inlandseis fegen, besonders ausgesetzt. Böen von über 100 km/h sind keine Seltenheit.
Wir hatten trotz kräftigen Windes einen perfekten Wandertag, mit blauen Himmel und spektakulären Aussichten. Am Ende des Tages, gratulierte mir meine Garmin Uhr zum neuen Schritt Rekord und das ich mein Tagesziel um 415% übertroffen habe.
Gesellt vom Gletscheranblick fahren wir zum Visitor Center zurück und schlafen erschöpft ein.
Die Nacht auf dem Parkplatz ist ruhig und am Morgen erwachen wir bei strahlendem Sonnenschein. Heute weht kein Wind. Wir schlürfen unseren Kaffee und Tee, essen unser liebevoll zubereitetes Müsli und fahren los zum Salto Grande. Wir wollen vor den grossen Tourbussen da sein, um den Massen etwas aus dem Weg zu gehen.
Vom Visitor Center zum Salto Grande sind es 17 km auf unbefestigten Strassen. Wir sind früh dran und noch sind nur wenige Besucher unterwegs.
Der Wanderweg startet gleich beim Parkplatz und führt direkt zum Salto Grande. Der Wasserfall befindet sich zwischen dem Lago Pehoé und dem Lago Nordenskjöld.
Vom Salto Grande führt ein schmaler Pfad durch Graslandschaften und am Nordernskjöld Lake entlang. Auf den gesamten 5 km haben wir Aussicht auf den See. Die Spiegelungen im Wasser wirken unglaublich kitschig. Wir können uns kaum sattsehen, so schön ist es hier.
Nach einer Stunde erreichen wir bereits den Cuernos Lookout und somit das Ende des Wanderweges. Was für ein Panorama. Vor uns präsentieren sich die Torres Spitzen des North Horn, Main Horn und East Horn, der Frances Gletscher und der Nordernskjöld See. Wir sehen und hören kleine Lawinenabgänge und bestaunen diese wunderschöne Landschaft. Wir stellen fest, dass die Natur die beste Apotheke ist - wir sind entspannt, glücklich und zufrieden in diesem Moment, an diesem Ort.
Auf dem Rückweg fallen uns die abgestorbenen Bäume auf und wir fragen uns, ob diese natürlich entstanden sind oder es hier einmal gebrannt hat. Später lesen wir im Reiseführer, dass 2012 bei einem grossen Waldbrand über 13’000 Hektar Wald, Weiden- und Steppenlandschaft verbrannt sind. Das Wetter ist noch gut, so dass wir
noch zum Condor Lookout fahren.
Der Aufstieg ist stellenweise steil und rutschig, dafür aber kurz. In rund 30 Minuten erreichen wir bereits den Aussichtspunkt. Unter uns der Pehoé See, etwas weiter weg sehen wir den Norderskjöld See und in der Ferne das Torres del Paine Gebirge.
Wow! Absolut empfehlenswert, der Mirador Condor.
Unsere letzte Nacht, verbringen wir auf einem privaten Campingplatz. Mit einer heißen Dusche, einem leckeres Essen und ein paar Gläser Rotwein lassen wir den schönen Tag ausklingen. Da für die kommenden Tage Regen angesagt ist, werden wir uns am nächsten Tag Richtung Argentinische Grenze fortbewegen. Wir hatten eine schöne Zeit im Park, haben nicht alles gesehen bzw. bewandert, aber was wir gesehen haben war einzigartig, fantastisch und beeindruckend.
…vg die Bornis nächstes ziel: Parque Nacional Los Glaciares - Argentinien
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Puerto Natales | Chile | Sonntag - 02.02.2025 - 01:55 - GOOGLE MAPS
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Punta Arenas, Feuerland ….Der Roadtrip durch Patagonien kann startenVermutlich wird keiner Punta Arenas – die südlichste Stadt Chiles – besuchen, um ein Sightseeing oder um ein Stadtbummel zu machen. Für viele bietet sich die fast südlichste „Großstadt“ der Welt aber als idealer Start oder Abschluss für ein Patagonien Abenteuer an. Für uns startet hier der Roadtrip. Wir fliegen von Santiago de Chile mit LATAM nach Punta Arenas. Der Flug dauert ca. 3,5h und bietet immer wieder tolle Ausblick auf die schneebedeckten Anden. Wir landen auf einen sehr kleinem Airport, haben schnell unser Gepäck und nehmen uns ein Uber zur Unterkunft im Stadtzentrum. Unser Hotel stammt aus der Zeit, wo Holzverkleidung uptodate waren. Unser Zimmer war geräumig, die Dielen und die Türen knarrten und das Fenster lies sämtliche Straßengeräusche ungedämpft ins innere. Wir suchten erstmal ein Restaurant auf und gönnten uns eine Pizza mit einem großen Bier. Platt von der Anreise versinken wir mit gefüllten Magen im Riesenbett unter den schweren Decken.
Der nächste Tag wollten wir die Stadt erkunden. Der starke Wind und ich meine wirklich starken Wind, pfeift durch die Straßen. Die Temperatur ist knapp über 13 Grad, aber fühlt sich für uns wie Winter an. Nach 30 Grad in Santiago und in der Atacama, ist das für uns eine Temperaturschock. Aber nicht umsonst haben wir für die 6 1/2 Monate, einen Rucksack mit 23kg bzw. 18kg dabei, aus dem wir schnell die Daunenjacke und das bis dahin ungenutzte warme Zeug herzuzaubern.
Obwohl Punta Arenas (ca. 130.000 Einwohner) so weit abgelegen ist, zeigt sie sich als europäisch geprägte Stadt mit einem etwas angestaubten, in die Jahre gekommenen, modernen Touch. Mit teilweise bunten, fröhlichen Häusern oder auch Gebäuden im Kolonialstil überrascht uns die Stadt.
Wegen ihrer Lage – die Magellanstraße überblickend – war Punta Arenas Aufstieg & „Niedergang“ – stark abhängig von den Händlern, die diese Handelsrouten nutzten.
Es lohnt sich die Stadt zu Fuß zu erkunden, was wir auch machen, nur der Dauerregen stört ein wenig. Wir steigen auf einen der Hügel und haben einen tollen Überblick über die Dächer der Stadt. Wir genießen den herrlichen Ausblick auf die Straßen der Stadt, bis plötzlich ein Bus anhält und eine Reisetruppe Asiaten herausströmen. Alle sind mit derselben Daunenjacken für die „Arktis Reise“ ausgerüstet und haben mindesten ein Handy und/oder eine Kamera in der Hand.
Ohne Rücksicht auf andere Leute, wird sich für das beste Erinnerungsfoto positioniert. Nach etlichen Instaposen, wechseln dann die Protagonisten, was mal locker 30min dauert. Danach wird der Fotoplatz für die Allgemeinheit wieder freigegeben und die Asiaten verschwinden genauso schnell wieder im warmen Bus.
Wir versuchen trotz ungünstiger Kombination von Dauerregen und starken Westwind die Stadt zu erkunden. Immer wieder müssen wir irgendwo einkehren, um uns zu trocknen und aufzuwärmen. Dabei landen wir in einer Halle mit vielen kleinen Restaurants. Nach einer kleinen Wartezeit kehren wir in einem Mini Lokal ein und bestellen uns eine Fischsuppe. Dies war die mächtigste und leckerste Fischsuppe ever. Diesen Tag vertrödeln wir und freuen uns schon auf unsere mobile Freiheit ab dem 30.01. bis zum 13.03.2025.
Mit dem Uber lassen wir uns zu Sergio (unser Campervermieter) fahren. Wir stoppen in einer etwas besseren Wohngegend vor einem Haus, wo viele SUV und ein Mini Kastenwagen (Chevrolet N400) parkten. Der Kleine sollte also unser Zuhause für die nächsten Wochen werden. Sergio -ein sehr netter und freundlicher Chilene - zeigt uns den „neuen“ Camper (erst 18.000km runter). Der Innenausbau wurde selbst vorgenommen. Wir verstauten unser Gepäck in jeder Ritze. Darin waren wir bereits geübt und gut eingespielt. Nach einer Stunde waren wir Abfahrbereit und verließen Punta Arenas Richtung Feuerland.
Wir freuen uns auf Orte mit wenig Tourismus, einer geringen Bevölkerungsdichte und einer spröden und wettergegerbten Landschaft. Unser Ziel ist Tierra del Fuego. Dort wollen wir zur nahezu einzigen Kolonie von Königspinguinen außerhalb der Antarktis.
Erst seit 2010 hat sich eine kleine Kolonie auf der Insel Feuerland gebildet. Zunächst aus nur wenigen Tieren bestehend, tummeln sich heute, abhängig von der Jahreszeit, bis zu mehrere hundert Pinguine in der Kolonie. Die Königspinguine haben sich für ihre Eroberung des südamerikanischen Kontinents ein sehr entlegenes Fleckchen ausgesucht. Die kleine Kolonie lebt in der Bahía Inútil, einer großen Bucht im Süden des chilenischen Teils von Tierra del Fuego. Auch wenn hier mittlerweile ein kleines Besucherzentrum entstanden ist, sucht man Wegweiser oder Schilder, die einen zu den Königspinguinen auf Feuerland führen nach wie vor vergeblich.
Unsere Anreise nach Feuerland ging über die Ruta 257 und damit konnten wir die schmalste Stelle zwischen dem Festland und Feuerland nutzen um mit der Fähre die Magellanstraße zu überqueren. Die Überfahrt dauert nur rund zwanzig Minuten und mit etwas Glück, kann man dabei die seltenen schwarz weiß gefleckten Commerson Delfine beobachten. Leider blieb uns das Vergnügen, die Delfine zu erleben verwehrt.
Wir fahren die Ruta 257 weiter und folgen später die Y-85.
Die Straßen auf Feuerland sind teilweise nicht asphaltiert und oft weht ein heftiger Wind. Daher sollte man, egal aus welcher Richtung man anreist, genug Zeit einplanen, vorsichtig fahren und auf jeden Fall in Cerro Sombrero oder Porvenir tanken. Leider braucht unser Mini Camper das gute Benzin 95. An zwei Tankstellen haben wir unser Glück versucht, leider ohne Erfolgt. Da man auf Feuerland nur selten Ansiedlungen mit Tankstellen findet, macht es Sinn, immer den Tank aufzufüllen und zu checken ob man noch ein bisschen Proviant oder eine Flasche Wasser benötigt.
Unsere Recherche ergab, dass wir mit der restlichen Tankladung nicht weiter südlich schafften, so dass wir leider unsere Route umplanen mussten. Ein Reservekanister wäre hilfreich gewesen, aber den hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir suchten uns eine freien Stellplatz mit eine tollen Aussicht in der Nähe der Pinguinkolonie - was nicht schwer war, bei einer so geringen Bevölkerungsdichte.
Nach unserer ersten Nacht im Camper - welche sehr gut war, da wir dicke Decken dabei hatten, sahen wir am Morgen ein Braunborsten-Gürteltier, Füchse und Guanakos. Die Guanakos hatten uns bereits bei der Anreise am Wegesrand begleitet.
An der Pinguinkolonie, trifft man zunächst auf ein kleines Besucherzentrum. Der Eintritt kostet pro Person 17.000 chilenische Pesos, das sind knapp 18 Euro/pP. Auf den ersten Blick ist das kein Schnäppchen, allerdings ist Patagonien und Tierra del Fuego ganz generell ein teures Pflaster und in diesem Fall waren wir sehr gerne bereit den Eintrittspreis zu zahlen, da das Geld nämlich dem Schutz und der Erhaltung der Königspinguine zu Gute kommt.
Zunächst bekommt man ungefähr 20 Minuten lang von einem Mitarbeiter des Besucherzentrums einen kleinen Vortrag zu den Pinguinen. Man erfährt einiges zur Lebensweise der Tiere, zum Bestand und auch speziell zur hier ansässigen Kolonie. Anschließend geht es zu den Pinguinen.
Um den Tieren genug Ruhezeit zu gönnen, darf man sich maximal 90 Minuten bei den Pinguinen aufhalten. Diese Zeit reicht allerdings auch problemlos aus, um die tollen Tiere auf sich wirken zu lassen und ausreichend Fotos zu schießen. Ganz nah heran kommt man ohnehin nicht, da man als Besucher durch einen Holzzaun und einen kleinen natürlichen Bach von den Tieren getrennt steht - aber das 600 Objektiv hilft etwas. Die Zahl der Besucher ist limitiert. 2x am Tag dürfen je 12 Personen zu den Pinguinen.
In wie weit sich die aufwendige Anreise zu den Pinguinen lohnt, kann wohl nur jeder für sich entscheiden. Unsere Ansicht nach ist es ein großartiges Erlebnis diese tollen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten und dafür lohnt sich auch der beschwerliche Anfahrtsweg.
Zudem halte wir es für sehr unterstützenswert, dass sich der Parque Pingüino Rey dem Schutz, der Forschung und der Erhaltung der Tierart verschrieben hat.
Unsere Routenänderung führt uns über auf einer unbefestigten Straße nach Porvenir. Wir bekommen ein Eindruck von der hiesigen Ferne, der kargen Steppenlandschaft und sehen etliche Guanakos am Straßenrand. Die Stadt Porvenir ist die größte chilenische Siedlung auf Feuerland. Hier leben 4.734 Leute (Stand 2020) auf einer Fläche von 2,63 km². Aber ganz entscheidend für uns war, dass es dort eine Zapfsäule mit 95ziger Benzin und wir nun wieder einen vollen Tank hatten. Unser Aktionsradius beschränkt sich auf ca 600km, was bei der Weite nicht viel ist.
Wir Fahren also weiter nordwärts Richtung. Die Nacht stehen wir auf einem Rastplatz zwischen Trucks und anderen Camper. Am kommenden Tag fahren wir die ca. 200km bis nach Puerto Natales.
Die erst 1911 gegründete Stadt ist super klein und hat gerade mal 19.000 Einwohner, verfügt aber über einen eigenen Hafen und einen Flughafen. Puerto Natales ist für uns Ausgangsbasis für unsere Tour in den Nationalpark Torres del Paine.
Die Liste der Sehenswürdigkeiten in Puerto Natales ist recht kurz und überschaubar.
Eine Hauptstraße mit vielen kleine Läden, nette Cafés, toller Ausblick auf den Fjord und die Berge, Milodon-Statue (war ein bodenlebendes Faultiere mit bis zu 4 m Größe - ist ausgestorben) und der Windstatur ( 2 „fliegende Menschen“ symbolisieren den allzeit starken Wind ) am Ufer.
Wir hatten eine netten Campingplatz auf dem viele Zelter waren. Im Aufenthaltsraum wurde gemeinsam gekocht, die medialen Kontakte gepflegt und sich über die Wanderrouten ausgetauscht. Wir tauchten in die Kommune ein und freuten uns, dass viele Jugendliche so „Basic“ auf Wanderschaft gehen und abends leckere Gerichte zaubern.
Wir hatten für den NP bereits Onlinetickets gebucht, so dass der Plan für die kommenden Tage Torres del Paine hieß. Unser Tanke war voll, einen Reservekanister hatten wir nun gekauft, Proviant hatten wir aufgefüllt - nun kann es losgehen in einen den bekanntesten chilenischen Nationalpark.
Vg die Bornis nächstes ziel: NP Torres del Paine
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Uyuni | Bolivien | Sonntag - 26.01.2025 - 00:41 - GOOGLE MAPS
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Salar de Uyuni - Bildernachtrag…OK…hier nun der zweite Teil der Bilder - 2,5 Tage Bolivien - Salar de UyuniVg…die Bornis nächstes ziel: Punta Arenas - Patagonien
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