Reisetagebuch
Beiträge aus Argentinien
3 Einträge Seite 1
Hohen Neuendorf | Argentinien | Dienstag - 28.10.2025 - 12:41 - GOOGLE MAPS
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Buenos Aires & eine bewegenden Reise geht zu Ende 😢Nach sieben Monaten auf Reisen erreichen wir unser letztes Ziel: Buenos Aires.
Ein Ort, von dem man schon so viel gehört hat – und doch überrascht er uns in jeder Hinsicht.Von Bariloche fliegen wir in knapp zweieinhalb Stunden in die argentinische Hauptstadt und landen am Stadtflughafen Jorge Newbery, direkt am Río de la Plata. Schon beim Landeanflug erkennen wir das legendäre Estadio River Plate, das größte Stadion Südamerikas mit Platz für über 84.000 Fans. Dieser Anblick ist ein Vorgeschmack auf das, was uns hier erwartet: Leidenschaft, Stolz und die unbeschreibliche Liebe der Argentinier zum Fußball. Hier ist Fußball nicht nur ein Spiel – es ist Religion, Zuflucht und Lebenselixier zugleich.
Mit einem Uber geht es zu unserem Hotel im Stadtzentrum, im dritten Stock eines alten Geschäftsgebäudes – laut, lebendig, mitten im Herzen der Stadt. Wir haben uns lange überlegt, wie viel Zeit wir für Buenos Aires einplanen sollen. Am Ende wurden es sechs Tage – rückblickend hätten es locker vierzehn sein dürfen. Denn diese Stadt hat eine Energie, die einen sofort in ihren Bann zieht.
Buenos Aires – das ist Luft und Liebe, Geschichte und Gegenwart, Schönheit und Melancholie. Wir laufen täglich gefühlt einen Halbmarathon, um das Leben hier zu spüren – das Chaos, die Kreativität, die Widersprüche, die Leidenschaft.
Unsere Entdeckungen in Buenos Aires
1. Puerto Madero
Der ehemalige Hafen ist heute eines der modernsten und reichsten Viertel der Stadt – mit schicken Restaurants, Glasfassaden und der eleganten Puente de la Mujer, die ein tanzendes Tangopaar symbolisieren soll. Wir genießen den Kontrast zu den älteren Stadtteilen. Ein Spaziergang entlang der Docks lohnt sich besonders am Abend, wenn die Skyline sich im Wasser spiegelt. Beim nächsten Mal steht das Naturschutzgebiet Reserva Ecológica ganz oben auf unserer Liste.
2. San Telmo
San Telmo ist das älteste Viertel der Stadt und fühlt sich an, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Kolonialbauten, Kopfsteinpflaster, kleine Cafés und viel Musik auf den Straßen – wir verlieben uns sofort. Besonders am Sonntag, wenn die Feria de San Telmo stattfindet, verwandelt sich alles in ein buntes Spektakel aus Antiquitäten, Kunsthandwerk, Musik und Tanz. Im Mercado San Telmo probieren wir lokale Snacks, entdecken die winzige Casa Mínima (nur 2,5 m breit!) und begegnen Mafalda, der berühmten Comicfigur, auf dem Paseo de la Historieta.
3. Casa Rosada & Plaza de Mayo
Am historischen Platz im Herzen der Stadt steht die Casa Rosada, der rosafarbene Präsidentenpalast. Hier begann die Geschichte von Buenos Aires – und hier wird sie bis heute weitergeschrieben. Besonders bewegend ist die Erinnerung an die Madres de Plaza de Mayo, die bis heute an ihre unter der Militärdiktatur verschwundenen Kinder erinnern.
4. Avenida 9 de Julio & 5. Der Obelisk
Die Avenida 9 de Julio ist eine der breitesten Straßen der Welt – acht Spuren in jede Richtung! In ihrer Mitte steht der Obelisk, eines der Wahrzeichen der Stadt. Besonders bei Nacht, wenn er beleuchtet ist, entfaltet er seine ganze Wirkung.
6. Teatro Colón
Wir bestaunen das prachtvolle Opernhaus nicht nur von außen – das alleine würde schon reichen um beeindruckt zu sein. Wir nehmen an einer Führung durch das Theater teil und ergattern nach mehreren Versuchen tatsächlich Karten für Aida. Es wurden Karten kurzfristig zurückgegeben. Wir überlegen nicht lange und sind geflasht von dem Ambiente und der Aufführung. Eines unserer kulturellen Highlights in unserem bisherigen Leben.Das Teatro Colón gilt als eines der schönsten der Welt. Ein Ort, an dem Kunst und Eleganz aufeinandertreffen – ein Sinnbild für die kulturelle Seite dieser Stadt. Wir begegnen während der Aufführung Jung und Alt. Alle sehr schick angezogen. Wir suchen ebenfalls unsere besten Reiseklamotten raus :-) Im fünften Rang gibt es Stehplätze für weniger Geld. Wir sitzen unten im Parket.Die Aufführungen sind monatelang vorher ausgebucht und wir richtige Glückspilze.
7. Recoleta & Friedhof La Recoleta
Der wohl schönste Friedhof, den wir je gesehen haben. Mausoleen wie kleine Paläste, kunstvoll verziert und von Geschichte durchdrungen. Hier ruht auch Eva Perón (Evita) – ihr schlichtes Grab zwischen all der Pracht wirkt fast bescheiden und gerade deshalb besonders berührend. Das Viertel Recoleta selbst ist elegant, ruhig und lädt zum Bummeln ein.
8. La Boca & La Bombonera
La Boca – das Viertel, in dem das Herz von Buenos Aires schlägt. Bunte Häuser, Tangomusik, Straßen voller Leben – aber auch Armut und Geschichte. Die Caminito-Gasse ist touristisch, ja, aber trotzdem sehenswert. Und natürlich das legendäre Stadion La Bombonera der Boca Juniors – Fußballgeschichte pur! Als einziger Europäer nehme ich an einer Führung durch das Stadion teil und bin beeindruckt von der gelebten Fussballleidenschaft, welche hier Religion ist.
9. Tango am Plaza Dorrego
Kein Besuch in Buenos Aires ohne Tango. Auf dem Plaza Dorrego sehen wir Tänzerinnen und Tänzer unter freiem Himmel. Leidenschaft pur – mal professionell, mal improvisiert, aber immer mit Herzblut. Wir schauen den Tänzern draußen bei einem kalten Bier in der Abendsonne sitzend zu und besuchen eine Tangoshow im wunderschönen Ambiente bei einem vorzüglichen Essen. Bei einer Anleitung schnuppern wir ein wenig ins „Tangofeeling“ und sind unfassbar beeindruckt von den quasi artistischen Leistungen der Tangotänzer/innen.
10. Floralis Genérica
Diese riesige Metallblume im Plaza Naciones Unidas öffnet sich mit der Sonne und schließt sich bei Sonnenuntergang. Wir stehen davor, die silbernen Blätter spiegeln das Licht, und wir spüren: Das hier ist Buenos Aires – modern, poetisch, überraschend.
Achtung - Stand 20.03.2025!
In Argentinien spitzt sich die soziale und politische Lage derzeit deutlich zu. In Buenos Aires gehen seit Wochen zahlreiche Rentnerinnen und Rentner auf die Straße, um gegen die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und nur minimale Rentenerhöhungen zu protestieren. Die Regierung unter Präsident Javier Milei verfolgt einen strikten Sparkurs, der viele Menschen hart trifft.
Inzwischen haben sich die Demonstrationen ausgeweitet und es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei – teilweise mit Wasserwerfern, Tränengas und zahlreichen Festnahmen. Die wirtschaftliche Unsicherheit bleibt groß: Die Inflation ist hoch, die Kaufkraft sinkt und viele Argentinier blicken sorgenvoll in die Zukunft.
Für Reisende bedeutet das: Wer Buenos Aires besucht, sollte in diesen Tagen besonders aufmerksam sein. In zentralen Vierteln – vor allem rund um das Regierungsviertel und den Kongress – können Proteste spontan eskalieren. Abseits dieser Gebiete ist das Reisen im Land weitgehend unproblematisch, dennoch gilt wie immer in Großstädten: Wertsachen nah am Körper tragen, keine großen Bargeldbeträge zeigen und nur offizielle Verkehrsmittel nutzen.
Wir haben während unserer Argentinien Reise keinem gefährlichen Moment erlebt, aber konnten die Gründe für die Unzufriedenheit der Menschen gut nachvollziehen. Trotz der angespannten Situation haben wir die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Argentinier sehr geschätzt.
Unser Fazit – und ein leiser Abschied
Buenos Aires ist keine Stadt, die man einfach „besichtigt“. Sie ist eine Stadt, die man fühlt. Sie lebt, pulsiert, lacht, schreit, tanzt.
Nach sieben Monaten auf Reisen ist dies unser letztes Kapitel. Wir sind dankbar, glücklich, ein bisschen wehmütig – und gleichzeitig erfüllt. Buenos Aires hat uns gezeigt, dass das Ende einer Reise nicht traurig sein muss, sondern ein Anfang sein kann.
Wir nehmen unzählige Erinnerungen mit: an leuchtenden Farben, an Tango-Rhythmen, an Gesprächen mit Fremden, die sich nach Sekunden wie Freunde anfühlten. Am 1. April geht der Alltag wieder los – kein Aprilscherz. Aber der Zauber dieser Stadt, dieser letzten Tage, bleibt.
Buenos Aires – gracias por todo. Du warst das perfekte Finale einer unvergesslichen Reise.
Schlusswort – Ein Blick zurück auf sieben Monate Abenteuer
In einer Welt, die oft von Hektik und Lärm erfüllt ist, gibt es Orte, Menschen und Landschaften, die uns tief berühren und Sehnsüchte in uns wecken, von denen wir gar nicht wussten, dass sie in uns schlummern. Auf dieser Reise haben wir viele solcher Orte gefunden.
Sieben Monate – ein halbes Jahr voller Abenteuer, Begegnungen, Eindrücke und Emotionen. Von der tropischen Wärme Singapurs und Indonesiens, über die unendliche Weite Australiens, die magische Natur Neuseelands, bis hin zu den wilden Landschaften Chiles, den faszinierenden Höhen Boliviens und der Lebensfreude Argentiniens – jedes Land war einzigartig, jedes Kapitel ein Geschenk.
Wir denken voller Demut an all das, was wir erleben durften: An Vulkane, die in der Ferne rauchten. An leuchtend blaue Gletscher, die unter der Sonne knirschten. An Regenwälder, in denen die Luft nach Leben duftete. An Strände, an denen wir barfuß im Sand standen und einfach nur dankbar waren. An Berge, die uns mit ihrer Größe still werden ließen, und an Nächte, in denen der Sternenhimmel so nah schien, dass man ihn hätte berühren können.
Wir haben Tiere in freier Wildbahn gesehen, die uns den Atem raubten – Kängurus, Delfine, Wale,Walhaie, Robben, Pinguine, Flamingos, Guanakos, Schildkröten, Koboldmankis und viele mehr. Wir haben Städte erlebt, die pulsierten, und Orte, an denen nichts als Wind und Stille existierten. Und dazwischen so viele Begegnungen mit Menschen – offen, herzlich, hilfsbereit, neugierig. Viele von ihnen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Diese sieben Monate waren weit mehr als nur eine Reise. Es war eine Zeit des Loslassens, des Staunens, des Lernens. Wir haben erfahren, wie wenig man wirklich braucht, um glücklich zu sein – und wie viel Schönheit in der Einfachheit liegt.
Jetzt, am Ende dieser Reise, spüren wir tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für all die Momente, die uns geprägt haben, für die unzähligen Sonnenauf- und -untergänge, für das Lachen, die Gespräche, die Stille und das Gefühl von Freiheit, das uns überall begleitet hat.
Wir kehren zurück in den Alltag – nicht nur mit Fotos und Erinnerungen, sondern mit einem Herzen, das voller Erlebnisse, Begegnungen und Geschichten ist. Und mit dem Wissen: Die Welt ist zu groß und zu schön, um stillzustehen
.
Danke, Singapur.
Danke, Indonesien.
Danke, Australien.
Danke, Neuseeland.
Danke, Chile.
Danke, Bolivien.
Danke, Argentinien.
Ihr habt uns verzaubert, herausgefordert, überrascht – und uns gezeigt, wie wunderbar vielfältig unsere Erde ist.
Wir gehen mit vollen Herzen – und der Gewissheit, dass das Ende dieser Reise vielleicht erst der Anfang von etwas Neuem ist.
LG die Bornis 🫶🏽 nächstes ziel: Daheeme - Hohen Neuendorf




















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San Carlos de Bariloche | Argentinien | Freitag - 14.03.2025 - 17:09 - GOOGLE MAPS
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Abschied von Chile und wunderschöne Seenlandschaft in ArgentinienWir fahren auf der chilenischen Ruta 215 Richtung Paso Fronterizo Cardenal Samoré. Dieser Hauptstraßenpass ist einer der am leichtesten zu fahrenden Andenpässe zwischen den beiden Staaten und eine der wenigen asphaltierten Passstraßen in der Region. Dieser Pass verbindet die Nationalparks Puyehue (in Chile) und Nahuel Huapi (in Argentinien) mit unzähligen Seen und Lagunen, bunten aber auch abgestorbenen Wäldern, Vulkanen und unglaublich schönen Bergmassiven. Auf der östlichen Seite vom Paso verläuft die argentinische Ruta Nacional 231, welche wir in Richtung San Martín de los Andes fahren werden. Rund eine halben Million Personen - Tendenz steigend und rund 31.000 Lastkraftwagen nutzen jährlich den Pass zum Grenzübertritt zwischen Chile und Argentinien.
Ein Grund für den starken Grenzverkehr ist, dass Argentinien derzeit teurer ist als Chile. Die Verbraucherpreise in Argentinien sind im Februar 2025 erneut um 2,4% gegenüber dem Vormonat gestiegen. Der strikte Sparkurs von Präsident Milei hat die Inflation in Argentinien im letzten Jahr halbiert – jedoch zunehmend zulasten der Bevölkerung.
Die Zunahme des Grenzverkehrs merken wir deutlich. Viele Argentinier stehen mit uns an den langen Warteschlangen zur Ausreise (von Chile) bzw. zur Einreise nach Argentinien an. Bei der argentinischen Zollkontrolle reichen die Pendler Unmenge an Kassenbons zur Prüfung über den Schalter. Für uns verlief in Ein- und Ausreiseprozedur problemlos. An diesem Tag regnete es unaufhörlich und die tiefhängenden Wolken verhüllen die schöne Landschaft. Daher fahren wir nach dem Grenzübertritt nach San Martín de los Andes. Ein Teil der prominenten Rute 40, ist im Bereich von San Martín de los Andes gesäumt von einer malerischen Seenlandschaft mit dem Namen „Ruta de los Siete Lagos“. Die Strecke mit Aussichtspunkten auf Seen in allen Blautönen und vielen Wandermöglichkeiten ist insgesamt 108 Kilometer lang. Sie führt entlang des Espejo, Correntoso, Villarino, Falkner, Escondido, Machónico, und dem Lácar See.
Die Route ist komplett ausgeschildert und Hinweisschilder zeigen an welchem See man sich gerade befindet. Bezüglich der vielen Abzweigungen muss man einfach mutig sein und schauen, wo man rauskommt. Viele nicht asphaltierte Wege belohnen einen am Ende mit türkisen Bächen, die in blaue Seen fließen und Stränden, die zum Verweilen einladen.
Unser Ziel - San Martín de los Andes liegt im nördlichen Patagonien am Lago Lacár inmitten des Nationalparks Lanín. Die Kleinstadt hat 20.000 Einwohner und ist das ganze Jahr über ein sehr beliebtes Reiseziel, vor allem bei Einheimischen.
San Martin wurde 1898 als Zentrum für Holzeinschlag und -verarbeitung gegründet und war einem europäischen Alpendorf nachempfunden. Im Jahr 1937 wurde der Lanin-Nationalpark eingerichtet (für den San Martin der Hauptsitz ist) und ein Großteil der ursprünglichen Industrie wurde zum Glück überflüssig. Dieser bewaldete Park beherbergt einige der spektakulärsten Landschaften Patagoniens, mit zahlreichen glitzernden blauen Seen, einem erloschenen Vulkan und einer reichhaltigen Natur. In den 1970er Jahren setzte der Tourismus in San Martin ein. Chapelco, das nur ein paar Kilometer entfernt liegt, ist eines der besten Skigebiete Südamerikas. Die relativ teure Stadt hat ihren alten Charme trotz stetigem Wachstum behalten können. In den Sommermonaten sitzen die Leute gerne am Seeufer, unterhalten sich beim Aroma ihres Mate-Tees und genießen die herrliche Bergsonne. Mit seinen von Rosen und Birken gesäumten Bürgersteigen, den breiten Alleen sowie den chaletartigen Häusern gehört San Martin de los Andes zu einem der schönsten Gebirgsorte in Südargentinien. Wir hat das Gefühl in der Schweiz zu sein. Nicht nur die Häuser sehen so aus wie in den Alpen, sondern auch die vielen Schokoladengeschäfte vermitteln uns ein klischeehaftes & bekanntes Gefühl.
Ein Strafzettel wegen Falschparken in Höhe von 42.105 argentinische Pesos holt uns schnell in die teuere argentinische Realität zurück. Unser größtes Problem ist es an Bargeld zu kommen. Am Geldautomaten bekommen wir nur 60.000 ARS (ca. 52€) ausgezahlt - wenn es mal Geld gibt. Diese Abhebung ist mit einer Gebühr von ca. 14.000 ARS (ca. 12€) verbunden. Was für ein schlechter Deal. Wir versuchen an mehreren Banken einen besseren KurS zu erzielen oder wenigstens mehr als 50 Euro abheben zu können, aber leider Fehlanzeige. Somit beschließen wir unser letzten chilenischen Pesos umzutauschen, damit wir flüssig sind. Die nette Mitarbeiterin vom Tauschbüro hat uns den Tip zur Bargeldbeschaffung über Western Union gegeben. Wir richten uns online eine Konto ein und Überweisung uns Geld, was wir am kommenden Tag bei der Post abholen können. Dies ist der einzige vernünftige Weg, derzeitig in Argentinien an Bargeld zu kommen. Somit sind wir aber um eine wirklich wichtige Erfahrung reicher, welche uns bei den zukünftigen Reisen von nutzen sein wird.
Wir haben ausserhalb der Stadt einen schönen Campingplatz mit stabilen WIFI gefunden. Da wir für die letzten Tage unserer Reise keine argentinische SIM Karte haben, benötigen wir für unsere Recherche und Planung oft den digitalen Zugang, was aber in jedem Café, Campingplatz, Tankstelle oder als freier Spot in jeder größeren Stadt möglich ist.
Nun werden die Nächte langsam immer kälter, so dass wir tagsüber jeden wärmenden Sonnenstahl genießen. Wir erkunden den Nationalpark Lanín mit seinen imponierenden Wäldern und Baumarten, die man sonst nirgendwo in Argentinien finden. Innerhalb des Parks liegt auch der berühmte Vulkan Lanín mit der Form eines Kegels, dessen Spitze meist schneebedeckt ist.
Leider gab es in der Region die schwersten Waldbrände seit 30 Jahren, wobei mehr als 37.000 Hektar betroffen waren. Fast alle Feuer würden von Menschen verursacht – teils absichtlich, teils fahrlässig. Auf Grund der Dürre hat der Flächenbrand verheerende Folgen, welche wir sehen und mit Sperrungen von Wanderwegen und Straßen auch merken. Die argentinische Regierung machte unter anderem radikale Gruppen des indigenen Volks der Mapuche verantwortlich, welche in diesem Gebiet leben. Sie kämpfen seit Langem für die Rückgabe ihrer Ländereien.
Das absolute Highlight des Nationalparks ist der namensgebende Vulkan. Der frei stehende 3.747 Meter hohe Lanin Vulkan wird aufgrund seines Aussehens oft mit dem Fuji in Japan verglichen und gilt als der schönste Vulkan in Argentinien. Daher fahren wir nach Junín de los Andes. Die Forellenstadt liegt ca. 70km nördlich von San Martín de los Andes und ist eine kleine Gemeinde mit ca. 10.000 Einwohner.
Da wir einen sonnigen Tage haben, beschließen wir uns den Vulkan als erstes anzusehen. Schon auf dem Weg zum Eingang des NP sehen wir Ihn. Mit seiner schneebedeckten Spitze und der perfekten Kegelform sieht er absolut magisch aus und dominiert die Landschaft des Nationalparks. Zudem befinden sich drum herum tiefblaue Seen, grüne Berge und kleine idyllische Orte. Ein perfekter Ort zum verweilen und genießen. Bereits die Straße zum See bot uns wieder tolle Aussichten auf die Natur und wir hielten immer wieder an um Fotos davon zu machen. Angekommen am See, wollten wir eigentlich in den dazugehörigen Nationalpark fahren und nach Wanderungen entlang der Straße Ausschau halten. Da wir erst am frühen Nachmittag dort angekommen sind und wir uns dachten, dass der Eintrittspreis für den NP auch wieder extrem teuer ist,suchten wir uns einen schönen Aussichtspunkt am Lake mit dem Vulkan im Hintergrund. Wir bewunderten das Panorama und genossen das sonnige Wetter.
Die kommenden Nächte verbrachten wir auf einem Campingplatz am Ufer des Rio Chimehuin in Junín de los Andes. Leider wurde das Wetter sehr wechselhaft. Viel Regen zwang uns zur Langsamkeit, aber für die Natur und den Brandbekämpfern ist der Niederschlag eine Erlösung.
Wir haben im Ort bei einer Wäscherein, betrieben von einem sehr netten älteren Pärchen, unsere letzte Großwäsche beauftragt.
Im Osten der Stadt liegt der Berg Cerro de la Cruz. An seinem Gipfel befindet sich ein großes weißes Kreuz, die sichtbar von der Stadt aus ist.
Das Skurrilste, was man in Junin tun kann, ist ein Besuch in der Via Christi Parque Escultorico, wo man 23 skulpturale Installationen finden, die das Leben Christi künstlerisch darstellen. Auf einem bewaldeten Hügel über der Stadt arrangierte der argentinische Architekt und Künstler Alejandro Santana Betonskulpturen, die von der Kreuzigung, dem Tod und der Wiedergeburt Christi inspiriert waren und nicht konfessionelle und kulturelle Botschaften darüber, ein besserer Mensch zu sein, inspiriert waren.
Es wurde darauf geachtet, anzuerkennen, dass " Gott " unterschiedliche Namen und Bedeutungen für verschiedene Menschen hat. Jesus-Figuren nehmen auch verschiedene Gesichter an, einige von ihnen basieren auf lokalen Arbeitern, und die Menschen und Traditionen indigener Gruppen aus der ganzen Region (Mapuche, Inka, Quechua usw.) sind ebenfalls reichlich vertreten.
Am beeindruckendsten ist die fast 60 Meter lange Christi Figur besteht aus einem aufwendigen Metallrahmen, welche aus kleine dreieckige Abschnitte mit Sicherheitsglas besten. Die Figur, die außerhalb des Geländes gebaut und dann über einen Zeitraum von 6 Monaten auf dem Hang zerlegt und wieder zusammengebaut wurde, scheint entweder wieder in die Erde zu sinken oder aus ihr herauszukommen.
Bei Veranstaltungen finden im Inneren der Christi Figur rund 100 Leute Platz.
Wir fahren wieder zurück nach San Martin de los Andes und erleben ein mehrstündiges Unwetter mit Regen, Hagel und orkanartigen Wind. Nachtemperaturen um den Gefrierpunkt lassen uns morgens immer länger im Camper verweilen. Der nächste Morgen begrüßt uns mit blauen Himmel. Im laufe des Tage steigen die Temperaturen auf 22-25 Grad. Daher beschließen wir den Tag am Lácar Lake zu verbringen. Wir fahren ca. 25km auf einer Gravel Road am See entlang und landen schließlich an einer sehr populären Stelle für Sonnenanbeter. Mehreren Buchten mit mit idyllischen Liegeplätzen auf den Felsen laden uns zum abhängen und Sonne tanken ein. Mir war das Geltscherwasser zu kalt, aber einige Mutige haben sich doch getraut.
Unsere Tage mit dem Camper sind gezählt. Wir machen uns langsam auf den Weg nach San Carlos de Bariloche. In der westargentinische Großstadt (ca. 140.000 Einwohnern) werden wir den Camper an Sergio zurückgeben. Er wird dann sein Wagen in das 1800km entfernte Punta Arenas - Chile zurückbringen. Uns bleiben noch ein paar Tage, aber wir merken, dass das Ende unserer Reise immer näher rückt, was uns etwas traurig macht.
Wir fahren entlang der Berglandschaft von San Martin de los Andes bis zum Abzweig der Ruta Provincial 65. Die Camino de los Siete Lagos, auf der man die spannende und abwechslungsreiche Landschaft des Nationalpark Nahuel Huapi genießen kann, können wir jetzt ohne Regen und mit vielen schönen Ausblicken genießen.
Der kurvenreiche Weg über die Ruta 65 zur kleinen Ortschaft Villa Traful am gleichnamigen See lohnt sich. Farne, bemooste Baumstämme, meterhoher Bambus und dichte Bartflechten erinnern an Urwald. Nach Überwindung einer weiteren Passhöhe erreicht man schließlich das Westufer des Lago Traful. Besonders gut hat uns war der Mirador del Traful, ein Aussichtspunkt mit wunderschönem Panorama auf die umliegende Landschaft, welcher nur ein paar Kilometer westlich von Villa Traful liegt. Die Klippen fallen hier fast 100 Meter senkrecht in den See ab. Die ca. 300 Einwohner leben hier in traumhafter Lage und weitgehend vom Tourismus.
Am Ende der Strecke landen wir auf der asphaltierten Ruta 237 und fahren im grünen Tal des Rio Limay Richtung Bariloche.
Wir übernachten vorher auf der anderen Flussseite des Rio Limay in Örtchen Villa Llanquín. Mit einer kleinen Fähre - maximal zwei PKW inkl. Fahrer - welche durch die Strömung angetrieben wird, kommen ich zur anderen Flussseite. Aus Sicherheitsgründen muss man während der Fahrt aus dem Auto raus. Kerstin hat die andere Flussseite über die Fussgängerhängebrücke erreicht.
Der Campingplatz war etwas abgelegen und auch hier gab es kaum Gäste. Die Campingsaison ist scheinbar fast vorbei.
Am kommenden Tag geht es über den Fluss weiter nach Bariloche. Wir sehen die wunderschöne Landschaft mit riesigen Wäldern, schneebedeckten Berggipfeln und den unbeschreiblich schönen Bergseen. Kein Wunder lockt die Seenregion um Bariloche Unmengen von Besucher an. Im Winter ist der nahegelegene Cerro Catedral eines der beliebtesten Skigebiete Argentiniens und im Sommer lockt die Ortschaft vor allem Wanderer aus aller Welt an. Während die Umgebung von San Carlos de Bariloche von Naturschönheiten nur so strotzt, versprüht die Stadt für uns kaum einen nennenswerten Charme aus.
Lediglich der zentrale Platz mit dem Gemeindezentrum ist sehr hübsch. Eine mächtige Reiterstatue wird hier eingerahmt von schönen steinernen Gebäuden mit Holzbalkonen. An dem begrünten Hang vor dem Platz liegen die Einheimischen auf der Wiese und genießen die Sonne und den Blick auf den See. Man sieht auch ein paar alpenländische Chalets mit Erkern + Balkonen und viele Schokoladenläden zeigen uns, dass wir in der Schweiz von Argentinien sind.
Um uns einen Überblick zu verschaffen, fahren wir auf den Hausberg Bariloches - Cerro Otto. Eine retro Gondel Seilbahn aus Österreich bringt die meisten Leute auf den 1.405m hohen Berg. Wir beschließen die Schotterpiste mit unserem Caddy bis zum drehenden Aussichtsrestaurant hochzufahren. Da auf dem Cerro Otto im Winter Skibetrieb ist, vermuten wir das der von uns gefahrene Weg zum Aussichtspunkt die Talabfahrt in der Wintersaison ist. Jedenfalls erwartete uns eine außergewöhnliche Aussicht. Im Norden sieht man die Stadt Bariloche und den Nahuel Huapi-See. Im Osten kann man die Hügel Leones und Villegas und einen Teil der patagonischen Steppe sehen. Im Süden können wir den Gutiérrez-See und andere nahe gelegene Hügel sehen; und im Westen befinden sich der Cerro Catedral, der Moreno-See und die Anden.
Nachdem wir diese von der Natur geschaffenen Kunstwerke ausgiebig betrachtet und fotografiert haben, geht es auf der Talfahrt wieder runter. Die letzten zwei Nächte im Camper, wollte wir in der Nähe von Bariloche, in schöner Natur und am See verbringen.
Wir fuhren in das 25km entfernte Dörfchen „Colonia Suiza“ um dort auf dem Campingplatz „Ser“ einzuchecken. Unter großen, schattigen Tannen bekamen wir ein Plätzchen auf dem weitläufigen und sehr gut besuchten Platz zugewiesen. An diesem Wochenende fand in der „Colonia Suiza“ ein großer Volksfest statt weswegen in dem von Schweizer Auswanderern gegründeten Örtchen richtig viel los war. Die „Colonia Suiza“ ist voll und ganz auf Touristen ausgerichtet, denn es gab sehr viele Kunsthandwerk- und Souvenirläden sowie eine Food-Meile und einige urige Restaurants im Chalet Stil. Wir bummelten über das Fest, beobachteten die Leute und hörten den Musikern zu. Tagsüber schien die Sonne so kräftig, dass wir sogar ein Abschiedsbad im sehr kalten Moreno-See nahmen.
Die Rucksäcke wurden wieder gepackt und das Auto haben wir nochmal gründlich gereinigt. Nun war er da, unser letzter Campertag. Nach 6.000km von Punta Arenas bis nach Bariloche mit vielen Schotterpistenkilometer, viel Staub, mit tiefen Schlaglöchern im Asphalt, Sonne /Regen/ Hagel und Schnee starten wir das letzte mal den Motor.
Wir fahren den Circuito Chico, welcher ein sehenswerter Rundweg durch den Nahuel Huapi Nationalpark ist. Die rund 30 km durch die abwechslungsreiche und ausgesprochen fotogene Landschaft führen uns zurück nach Bariloche.
Unser Hotel ist schnell gefunden. Wir packen alles aus und pünktlich kommt Sergio zur Fahrzeugübergabe an. Wir geben Ihm noch ein paar Hinweise und praktische Tips für das Vanlife mit auf den Weg nach Südchile - und das war es. Wir sind traurig, dass die Zeit im Camper vorbei ist. Die Art zu reisen, so die Länder zu erleben und zu spüren - ist genau unsere bevorzugte Reiseart. Wir lieben diese Unabhängigkeit und merken mal wieder WIE WENIG wir eigentlich brauchen. Mit leichten Gepäck lässt es sich besser reisen.
Letzter Stop wird Buenos Aires sein.
Vg ….die Bornis nächstes ziel: Buenos Aires




















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Los Antiguos | Argentinien | Montag - 10.02.2025 - 01:53 - GOOGLE MAPS
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Argentinische Gletscher, beeindruckende Bergmassive und eine legendäre Ruta 40Wir fahren zurück nach Puerto Natales, tanken und kaufen erneut Proviant ein und fahren anschließend die Ruta 250 bis nach Dorotea. Dort befindet sich der Grenzübergang. Erst müssen wir bei den chilenischen Beamten unsere Pässe vorzeigen und dann beim chilenischen Zoll weiter Reisedokumente vorzeigen. Da der Grenzübergang recht klein ist dauert diese Prozedur nur 20 min. Die Ausreise war schonmal problemlos. Anschließend fahren wir durch Niemandsland zur argentinischen Grenzstation. Dort erfolgt in einer abgeranzten Hütte der gleiche Vorgang. Auch hier verläuft alles problemlos, so dass wir uns nun für die nächsten Tage auf der argentinischen Seite von Patagonien nordwärts fortbewegen werden. Das erste Abenteuer lässt nicht lange auf sich warten - die Ruta 40. Ein paar Kilometer nach Río Turbio gelangen wir dann auf Argentiniens schönste Route in die Einsamkeit.
Mit ihren 5.300 km ist sie die längste Nationalstraße Argentiniens: die legendäre „Cuarenta“ (Vierzig). Dem Verlauf der Anden folgend führt sie durch sämtliche Klima- und Höhenzonen, die das Land von Nord nach Süd zu bieten hat. Sie ist ohne Zweifel eine Strecke der Superlativen: Als eine der längsten Fernstraßen weltweit findet sich hier auf unglaublichen 4.895 m auch der höchste befahrbare Pass unseres Planeten.
Von den hohen Bergen der Anden, vorbei an den endlosen Steppenlandschaften der Pampa, durchquert man das wilde Patagonien, bis sie schließlich den Atlantik erreicht… Eine Fahrt auf der „Endlosen Schotterpiste“ ist ein unvergessliches Highlight für Abenteurer aber auch anstrengend, wie wir erfahren durften.
Wir fahren nordwärts und sind sofort gefesselt von der Weite, welche nur schwer fassbar ist. Manchmal begegnet uns eine Stunde lang nicht ein einziges Fahrzeug. Für hunderte von Kilometern kein Haus, keine Tankstelle !!!, kein Handy-oder Internetempfang. Einfach nichts. Einzig der extrem starke Wind ist unser treuer Begleiter. Manchmal schaffe ich es gerade so die Autotür aufzudrücken, um ein Foto von der Weite zu machen. Was uns vorher keiner sagte, dass die Ruta oft nicht asphaltiert ist. Sand, tiefer Schotter, Waschbrettpiste, absolut einsame Abschnitte, wenig Infrastruktur, extremer Wind und nicht leicht zu fahren. Aber trotzdem oder gerade deswegen ein absolutes unvergessliches Abendteuer für uns und auch für unseren Camper. Ein Wort noch zur Region.
Santa Cruz ist die am dünnsten besiedelte Provinz Argentiniens. Die Bevölkerung konzentriert sich in wenigen städtischen Ansiedlungen. Weite Teile sind fast unbewohnt. Auf rund 250.000qkm leben gerade mal 270.000 Menschen, was eine Bevölkerungsdichte von 1,1 qkm ausmacht. Nun versteht man auch die Einsamkeit besser.
Unser Ziel ist der Nationalpark Los Glaciares in der Nähe von El Calafate.
Der Nationalpark liegt im argentinischen Teil Patagoniens. Er bedeckt eine Fläche von 4459 km² und wurde von der UNESCO 1981 in die Welterbeliste aufgenommen. Der Nationalpark besteht neben einigen kleineren Gletschern im Wesentlichen aus den drei großen Gletschern Perito-Moreno-Gletscher, Upsala-Gletscher und Viedma-Gletscher. Diese münden in zwei Seen, den Lago Argentino und den Lago Viedma, die jedoch nur teilweise innerhalb des Nationalparks liegen.
Wir erreichen den sehr touristischen und menschenvollen Ort El Calafate am Nachmittag. In vielen Reiseführern und Berichten wird El Calafate als eine unattraktive Stadt beschrieben. Diesem können wir uns, zumindest was das Zentrum dieses Ortes angeht, nicht anschließen. Vielmehr haben wir eine sehr gepflegte Innenstadt mit vielen Geschäften, vielen Hunden, Grünflächen und einem ansprechenden Straßenbild vorgefunden.
Entlang der Av. de Libertador, der Hauptstraße durch den Ort, reihen sich die Lokale und Geschäfte aneinander. Wir probieren an drei Banken argentinische Pesos abzuheben abzuheben - ohne Erfolg. Wahrscheinlich ist Bargeld derzeitig rar. Zum Glück können wir auf dem Campingplatz mit chilenischen Pesos bezahlen - natürlich zum schlechteren Kurs, aber das war uns egal. Wir haben uns führ einen frühen Start am nächsten Tag entschieden, da jeder Tourist in der Stadt in den spektakulären NP will. Busweise werden die Leute dort hineingebracht, da macht der frühe Vogel schon Sinn.
Also starten wir nach einem kurzen Frühstück und rasen auf der Ruta 21 dem Parkeingang entgegen. Dort angekommen, ist noch ein entspanntes abkassieren. Wir mussten für uns beide rund 100€ Tageseintritt bezahlen. Vor ein paar Jahren betrug der Eintritt noch vertretbare 23€ p.P. Scheinbar sollen die Touristen die wirtschaftliche Schieflache des Landes schnell wieder richten. Da dies alternativlos war, zahlten wir und sind die letzten 20km mit voller Erwartung auf den wunderschönen Perito-Moreno-Gletscher gefahren. Endlich war es so weit. Wir erblicken von gut angelegten Aussichtswegen den gigantischen Gletscher.
Der Perito-Moreno-Gletscher ist einer der größten Auslassgletscher des Südlichen Patagonischen Eisfeldes, des größten Gletschergebietes der südamerikanischen Anden, sowie einer der markantesten und auch bekanntesten Gletscher Patagoniens. Er schiebt sich durch einen schmalen Auslass der Anden in den Lago Argentino, den größten See Argentiniens. Dabei durchquert die Gletscherzunge den See von einem Ufer zum Anderen über eine Länge von mehr als 2 km. Oberhalb der Wasserlinie ist eine imposante Front 55-70 m hohen Eises sichtbar, doch bekanntermaßen schlummert der wesentliche Teil eines Eisberges unterhalb der Oberfläche. Trotz des bis zu 160m tiefen Sees schwimmt der Gletscher an keiner Stelle und fungiert so wie eine natürliche Staumauer.
Dabei wird ein Teil des Sees über mehrere Jahre angestaut und der Wasserspiegel steigt in diesem Teil um bis zu 10 m. Wird der Wasserdruck zu groß, durchbricht er das Gletschereis, so dass sich der See periodisch ausgleichen kann.
Ein wahres Spektakel ist auch die Geräuschkulisse. Denn während unserem gesamten Besuches kracht und knackt es quasi ununterbrochen. Immer wieder gibt es einen lauten Donner und es lösen sich Teile des Gletschers von der Zunge ab und fallen mit lautem Getöse ins Wasser – der Gletscher kalbt. Für eine Weile setze wir uns an der Südplattform hin und beobachte das Treiben. Zu einem Zeitpunkt haben wir Glück und es bricht eine Flanke des Gletschers ab und fällt der Länge nach in den Lago Argentino - was für ein beeindruckendes Schauspiel. Wir konnten zum Teil das Spektakel per Video festhalten. Das war ein Gänsehaut Moment und wir strahlen übers ganze Gesicht. Ich mache wiedermal viel zu viele Bilder ,aber ich kann mich an der Gletscherwand nicht satt sehen.
Als Wunder wird der Perito Moreno Gletscher oft bezeichnet, weil er noch wächst. Das ist aber kein Wunder, sondern ein Märchen. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern in Argentinien und Chile, die rasant zurückgehen, befindet sich der Perito Moreno Gletscher im Gleichgewicht. Befindet? Befand? Wir hoffen nur, dass dieses Naturwunder lange bestehen bleibt und sich noch viele Leute an dem Anblick erfreuen können.
Am späten Nachmittag fahren wir noch weiter bis nach El Chalten, was 215 km von El Calafate entfernt liegt. Wir benötigen ca. 3 Stunden für diese Strecke. Die Wolken hängen sehr tief und es fängt kurz vor dem Ziel an zu regnen. Wir nutzen die Gelegenheit und tanken noch kurz vor dem Campingplatz. El Chaltén ist ein kleiner Ort mit nur 1.600 Einwohnern. Er wurde erst 1985 gegründet und dient ausschließlich dem Tourismus, da von dort einige der berühmtesten Wanderungen in Patagonien starten. Leider macht sich das auch in den Preisen bemerkbar (Campingplatz 33€ pro Nacht). Erklären lässt sich das mit der Abgeschiedenheit und Alternativlosigkeit, denn wer beispielsweise die Wanderung zum Fitz Roy machen möchte, kann das nur ab El Chaltén tun. Der kleine Ort liegt in den Ausläufern der Bergkette, in der sich der Fitz Roy befindet und bietet bei klarer Sicht einen atemberaubenden Blick darauf. El Chaltén besteht nur aus einigen wenigen Straßen, sodass man den gesamten Ort gut zu Fuß erkunden kann. Obwohl er so abgelegen liegt, gibt es eine sehr gut ausgebaute touristische Infrastruktur mit vielen Unterkünften, Restaurants und Cafés und kleinen Supermärkten und sogar Massage- und Spa-Angeboten sowie Bioläden.
Als wir im beschaulichen Örtchen El Chalten angekommen sind, wird der Regen so langsam zu Schnee. Dicke Schneeflocken fallen runter und machen den ganzen Campingplatz zu einem Minisee. Fast alle Zelter halten sich verständlicher Weise im Aufenthaltsraum/ Küche auf. Laute Gespräche gepaart mit leckeren Düften aus der Küche lassen uns den Abend dort verbringen. Als wir in unseren Camper gehen, um die Nachtruhe anzutreten, kam das böse Erwachen.
Wir hatten ein Wassereinbruch. Die Matratze war nass und auch Teile unserer Sachen. Bei Dauerschnee/ Regen versuche ich die undichte Stelle zu lokalisieren. Auf dem Dach sind von der Innenverkleidung Schraubenköpfe sichtbar. Ich versuche diese provisorisch Abzudichten und zum Glück hört der Niederschlag auf. Wir quetschen uns auf eine Matratzenhälfte und ich setze vorher noch ein paar Nachrichten an unseren netten Campervermieter ab. Nach einer sehr kühlen und kurzen Nacht habe ich mich mit dem Vermieter geeinigt. Er bringt uns einen neuen Camper nach Argentinien (bedeute für Ihn 8h Fahrt oneway) und nimmt den undichten Camper wieder mit.
Wir nutzen den Tag - welcher übrigens total sonnig, windstill und traumhaft ist - um in dem atemberaubend schöne Bergmassiv zu wandern.
Typisch für Patagonien ist das dauerhaft unbeständige und windige Wetter mit einem schnellen Wechsel von Sonne und kräftigen Schauern. Das erschwert eine Wettervorhersage dort enorm und wir nehmen dankbar den sonnigen Tag an.
Wir starten zur einer halbtägigen Tour mit mittlerem Schwierigkeitsgrad. Am Ortsausgang steht ein Häuschen mit einer langen Menschenschlage davor. Wir erfahren, dass der Wanderweg, welcher von ein paar Jahren noch kostenlos war, nun plötzlich auch 45€ p.P. Kosten soll. Wir machen dicke Backen, aber entscheiden uns mit einem bitteren Beigeschmack, den Preis zu zahlen. Als wir an der Reihe sind, fraget uns der Nationalpark Mitarbeiter ob wir schon den Perito Moreno Gletscher besucht hätten. Wir bejahen dies und prompt gab es 50% Rabatt. Wir waren sehr verdattert und reichten schnell die Kreditkarte rüber. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass die Preise unverschämt, ungerechtfertigt und auch ein bisschen willkürlich sind. Es kontrollierte keiner unser Ticket und wären wir einfach an einer anderen Stelle gestartet, hätte das auch keiner mitbekommen. Aber ehrlich wie wir nun mal sind, helfen wir „gerne“ dem Land in der Krise.
Unser Ziel war die Laguna Capri mit Blick auf den Fitz Roy. Hier reiht sich ein schönes Bergmassiv an das andere. Der Star hier ist aber der 3406 Meter hohe Granitberg - Fitz Roy. Das spektakuläre Massiv, ist bei Extrem-Bergsteigern weltbekannt für seine tückischen Eiswände, unberechenbaren Winde und ständig wechselndem Wetter. Auf den zahlreichen Wanderwegen des Nationalparks Los Glaciares lässt sich auch schwindel- und risikofrei die spektakuläre Bergkulisse des Eisriesen erkunden. Wir starteten also die harmlose Wanderung von 9 km mit einem Höhenunterschied von 800m. Es stieg stetig an und die Sonne verwöhnte uns nach dieser kalten, nassen Nacht.
Der Blick hinunter zum Fluss und ins Tal war großartig - fast schon kitschig schön.
Nach 2 Stunden erreichten wir Laguna Capri. Der Anblick war gigantisch. Der See ist auf einer Seite von Bergen mit riesigen Schneemengen umgeben und offenbart eine wunderbare Aussicht auf den Fitz Roy. Wir hatten an der Lagune ein kleines Picknick und genossen die Ruhe. Nach einem ausgiebigen Sonnenbaden machten wir uns auf den Weg zum Mirador. Nach kurzer Zeit erreichten wir diesen und können uns wieder nicht sattsehen. Leider waren die Wege durch den gestrigen Dauerregen und Schneefall matschig und sehr rutschig. Wir beenden unseren Rundgang am Fitz Roy mit einem schönen Blick auf die bunten Häuser von El Chalten. Da wir noch Zeit bis zum Camperwechselt hatten, kehrten wir in ein Café ein. Beim bezahlen merken wir schnell die Exklusivität des Ortes.
In der lokalen Bevölkerung regt sich lautstarker Protest gegen die neu eingeführten Eintrittsgelder. Unter dem Motto „Montañas libres“ (Freie Berge) und dem Hashtag #NoAlCobro fordern Einheimische aus El Chaltén, dass die Wanderwege kostenlos bleiben beziehungsweise wieder werden. Sie fürchten, dass Touristen durch die hohen Preise abgeschreckt werden und erst gar nicht nach El Chaltén reisen oder nur kürzer bleiben – was für Hotelbetreiber, Restaurantbesitzer und Co. vor Ort natürlich einen enormen finanziellen Verlust bedeuten würde. Und das ist ebenfalls ein Problem: Man kann wohl leider davon ausgehen, dass von den hohen Eintrittsgeldern bei der lokalen Bevölkerung, die unter der Wirtschaftskrise in Argentinien enorm leidet, nichts ankommt.
Am Campingplatz angekommen erwarten wir unseren Vermieter Sergio. Dieser kommt gegen 18:30 Uhr nach eine 8h Fahrt von Punta Arenas an. Unser neuer Camper ist ein VW Caddy Max - Diesel!!!! Der Neue ist geräumiger, lässt sich besser fahren und ist ein VW - also nicht ganz unbekannt.
Wir wechseln so schnell es geht alle Sachen. Da wir ja eine kalte und nasse Nacht hinter uns hatten, brachte Sergio noch zusätzliche Kuscheldecken mit. Wir können uns also nicht über das Arrangement unseres Vermieter beschweren. Wir klären noch schnell den Papierkram und schon macht sich unser Vermieter auf den Rückweg. Die fehlenden Dokumente, würde er mir per WhatsApp zusenden. Also nur noch ausdrucken und schon wäre alles in Ordnung mit dem Fahrzeugwechsel.
Die erste Nacht im VW und die letzte in El Chalten war sehr gut. Aufgrund der treueren Eintrittspreise haben wir uns entschlossen, den ersten befahrbaren Grenzübergang nach El Chalten anzusteuern, um uns die preiswerteren patagonischen Nationalparks auf der chilenischen Seite anzusehen. Somit hatten wir ein 750 km Road Trip auf der legendären Ruta 40 vor uns. Vor dem langen Weg zurück nach Chile, prüfen wir den Caddy auf seine Geländetauglichkeit. Wir fahren zu einem Genzsee, ca. 37 km nur Gravel Road von der Marke besonders schwer befahrbar. Langsam ruckeln wir im Tal entlang, machen viele Fotos von der Landschaft, sehen die Rückseite vom Fitz Roy und kommen schließlich gegen Mittag am Lago del Desierto an. Der Lago del Desierto erstreckt sich über 15 Kilometer und wird von Gletschern (wie dem Vespignani-Gletscher) gespeist, die von den umliegenden Gipfeln herunterkommen. Das kristallklare Wasser des Sees reflektiert die atemberaubende Landschaft. Umgeben von üppigen Wäldern und hoch aufragenden Bergen, bietet dieser Gletschersee Besuchern eine perfekte Mischung aus natürlicher Schönheit und Ruhe. Wir spazieren am Ufer entlang, genießen den Augenblick. Den ersten Test einer fast unbefahrbaren Strasse hat unser VW bestanden, so dass wir uns nun auf den Weg nach Los Antiguos machten. Unser Diesel hat eine Reichweite von ca. 950 km, somit ist ein entspannteres Fahren möglich.
Unser Tagesziel war das Dorf Gobernador Gregores (mitten in der Pampa) mit seiner YPF Tankstelle. Die Tankstelle scheint ein Treffpunkt zu sein. Viele Motoradfahrer essen dort leckerer Empanadas und nutzen wie wir das kostenfreie w-lan vor Ort.
Wir parken auf dem dazugehörigen Stellplatz neben zwei Schweizern mit Ihrem mitgebrachten Camping Land Cruiser.
Die Nacht war ruhig und am nächsten Morgen hatten wir mit den Schweizer Eidgenossen noch einen netten Frühstücksplausch.
Sie sind von Norden nach Süden unterwegs und haben von einem Puma am Wegesrand berichtet. Also achten wir nicht nur auf die angekündigten Schlaglöcher, sondern auch auf eine tote Katze am Straßenrand.
Wir düsen also los und es dauerte nicht lange, dass die Ruta 40 eigentlich nur noch aus Schlaglöchern bestehend vor uns lag. Die Löcher waren so tief und dicht, dass man bei jedem entgegenkommenden Auto dachte, dass der Fahrer strak betrunken ist. Schlangenlinien fahren war nun für viele Kilometer angesagt. Zum Glück war die Ruta nicht stark befahren, so dass wir die ganze Straßen- und später Schotterpistenbreite ausnutzen. Abrupte Lenk- bzw. Ausweichmanöver waren die nächsten 120km normal. Ach ja, die Katze haben wir auch gesehen und haben nun ein Vorstellung, wie groß so ein Puma eigentlich werden kann. Rechts und links des Weges waren Zäune aufgestellt. Diese hatten eine Höhe von ca. 1m. Da der oberste Draht leider ein Stacheldraht war, haben wir einige verendete Guanakos am Zaun hängen gesehen. Vielleicht war das auch der Grund, warum ein Puma sich in der Nähe einer Straße aufhält.
Als positive Erinnerung bleibt die Begegnung mit dem Gürteltier auf und neben der Ruta 40. Schon von weiten haben wir das Gürteltier beim überqueren der Straße gesehen. Eine Vollbremsung, der Griff zu Handy und schnell - trotz des bereits beschriebenen straken Windes - die Tür aufgerissen und die Verfolgung aufgenommen. Man glaubt gar nicht, wie schnell diese Tiere mit Ihren kleinen Beinen rennen können. Das Gürteltier gönnte uns eine kurze Verschnaufpause, in der ich glücklicherweise ein paar Fotos machen konnte. Danach versuchte es immer wieder mit kurzen Sprinteinlagen hinter den Stacheldrahtzaun zu gelangen. Nach einer Weile, habe ich das Katz und Maus Spiel ohne ein weiters Bild gemacht zu haben, aufgegeben. Bin aber trotzdem happy über die 3 Bilder und stark beeindruckt vom Schnellläufer Gürteltier.
Die Fahrt auf der Ruta 40 ist für das Auto und für uns schon anstrengend. Einerseits ist man von der Landschaft fasziniert, andererseits darf man keine Sekunde den löchrigen Weg aus den Augen lassen. Manchmal war auch das Ausweichmanöver zu spät, so dass Fahrwerk, Stoßdämpfer und Karosserie Schwerstarbeit leisten mussten. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass der Weg auf der chilenischen Seite, noch schlechter werden wird.
Irgendwann erreichten wir den argentinischen Grenzort Los Antiguos.
Diese Kleinstadt hat rund 2.000 Einwohnern und liegt am Südufer des 1.850 km² großen argentinisch-chilenischen Grenzsees Lago Buenos Aires, des zweitgrößten Sees in den Anden nach dem Titicacasee. Auf der chilenischer Seite liegt der Grenzort Chile Chico - welcher der einzige Ort in Chile auf der östlichen Seite der Anden ist.
Das Tal, in dem Los Antiguos liegt, hat ein für Patagonien mildes Mikroklima, daher können hier Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Äpfel kultiviert werden. Da vor allem Kirschbäume dominieren, gilt Los Antiguos als Hauptstadt des argentinischen Kirschanbaus.
Am nächsten Tag soll es zurück nach Chile gehen. Wir essen unser Obst und Müsli auf, denn hier es gibt ein sehr strenges Einfuhrverbot von Nahrungsmittel, Pflanzen und weiteren Produken nach Chile. Na hoffentlich geht alles gut.
VG die Borni nächstes ziel: Chile - Carretera Austral - Ruta 7




















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